Ethik-Unterricht

Kirchen fordern Feldversuch

Die beiden großen christlichen Kirchen in Berlin haben ihre Kritik an dem geplanten Ethikunterricht an Schulen ohne Abwahlmöglichkeit zu Gunsten des Religionsunterrichtes erneuert. Bei einer Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus forderten sie am Donnerstag zugleich, vor der flächendeckenden Einführung des neuen Faches ab der siebten Klasse zunächst im «Feldversuch» das Lehrfach an einigen wenigen Schulen zu erproben. 

Mit Einführung des verpflichtenden Ethikunterrichtes ab der siebten Klasse werde der freiwillige Religionsunterricht faktisch aus der Sekundarstufe 1 herausgedrängt, sagte Kardinal Georg Sterzinsky. Dabei verwies er auf die organisatorischen Schwierigkeiten in den Schulen, wenn ein Teil der Schüler sich zusätzlich für das Fach Religion entscheidet.

Der evangelische Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann warnte davor, die Deutungshoheit über religiöse Fragen dem Staat zu überlassen. Der Gesetzentwurf zur Einführung des Faches Ethik sieht unter anderem die Vermittlung von Kenntnissen über die großen Weltreligionen vor. 

Die Kirchenvertreter kritisierten zudem die aus ihrer Sicht mangelnde Fortbildung der Lehrkräfte für das neue Fach. Den «maßlosen» Erwartungen auf Seiten der Befürworter stehe eine unzureichende Ausbildung gegenüber. «Ich fürchte, das gibt einen ganz großen Reinfall», betonte Sterzinsky. 

Auch Vertreter der Islamischen Föderation und der Anatolischen Aleviten äußerten ihre Zweifel, ob die Lehrkräfte ihre Religion «richtig» im Unterricht darstellen werden. Zugleich sprachen sie sich aber für den verpflichtenden Ethikunterricht aus. 

Die Anhörung, an der auch Vertreter des Humanistischen Verbandes und der Vereinigung der Oberstudiendirektoren teilnahmen, fand im Rahmen einer Sitzung des Schulausschusses statt. Der Migrationsbeauftragte des Senates, Günter Piening sprach sich aus integrationspolitischen Gründen für das neue Fach aus. Zugleich forderte er die Erweiterung des Fächernamens auf «Ethik und Menschenrechte». 

Nach der ersten Lesung des Gesetzentwurfes im Abgeordnetenhaus Mitte Februar zur Einführung eines verbindlichen Ethikunterrichtes will die SPD/PDS-Koalition in Berlin das Gesetz bis Ostern verabschieden. CDU und FDP haben sich für eine verpflichtende Wahlfachgruppe mit den beiden Fächern Ethik/Philosophie und Religion ausgesprochen. 

epd

[online: 03/03/2006 - Print: -]

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