Philosophiestudium in Deutschland

Humboldt-Universität am beliebtesten

Nach Berlin kommen ausländische Philosophie-Studierende am liebsten, genauer: ans Institut für Philosophie der Humboldt-Universität. Zu diesem Ergebnis ist jedenfalls eine Untersuchung gekommen, die die Humboldt-Universität selbst in Auftrag gegeben hat. Befragt wurden Stipendiaten. Aber auch was die Studierenden betrifft, ist das Interesse groß: Seit dem WS 1997/98 besteht eine Aufnahmebeschränkung. Dabei spielt aber weniger der Ruf des Instituts als die Attraktivität des Studien- und Lebensortes Berlin die ausschlaggebende Rolle. Im folgenden stellen wir das Philosophische Institut der Humboldt-Universität Berlin anhand einer vom Institut selbst durchgeführten Befragung bei Studierenden und Lehrenden und des vom Institut darauf erarbeiteten „Selbstberichtes“ vor. (Den Bericht kann man unter www.hu-berlin.de/phil/institut einsehen.)

 Die Professoren

 Das Institut für Philosoph besitzt gegenwärtig fünf C 4-Lehrstühle und drei C 3-Professuren. Diesen insgesamt acht Professuren sind  zwölf befristete und zwei unbefristete Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter sowie fünf Stellen für nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter zugeordnet. Zur Zeit ist das Institut im Umbau, einige Professuren sind nicht besetzt, sei es, dass die Inhaber emeritiert wurden, sei es, dass sie Berufungen nach auswärts angenommen haben.

 Ein Lehrstuhl für Deutschen Idealismus ist besetzt durch Rolf-Peter Horstmann. Mit diesem Lehrstuhl wird nicht nur einem der wirkungsmächtigsten Abschnitte der Philosophiegeschichte, sondern auch der eigenen Tradition Rechnung getragen, hatte doch Hegel an der Humboldt-Universität gelehrt.

Die Forschungsschwerpunkte von Horstmann liegen im Bereich der Metaphysik und der Erkenntnistheorie des späten 18., des 19. und des 20. Jahrhunderts, wobei die Auseinandersetzung mit Kant und Hegel das Zentrum bildet. Auch die Arbeitsschwerpunkte der Mitarbeiter dieses Lehrstuhls liegen entweder direkt in der Philosophie des Deutschen Idealismus oder in einem diesem  nahe stehenden Bereich.

 Ein Lehrstuhl für Philosophie der Antike und Gegenwart ist besetzt durch Christoph Rapp). Rapp war vorher Assistent bei Otfried Höffe am Philosophischen Seminar der Universität Tübingen und ist bekannt als Aristoteles-Kenner sowie als Mitherausgeber der „Zeitschrift für philosophische Forschung“. Der Lehrstuhl war vor Rapp von Gerd Irrlitz besetzt und beinhaltete „Propädeutik der Philosophie und ihrer Geschichte“. Außerhalb von Aristoteles liegen die Schwerpunkte, was das Altertum betrifft, bei den Vorsokratikern, Platon, dem Hellenismus sowie den Auswirkungen der Philosophie der Antike auf die späteren Epochen, und was die Gegenwart betrifft, in den Bereichen der Ontologie, der Metaphysik, der Handlungstheorie, der Sprachphilosophie, der Philosophie der Mathematik und der Emotionstheorien. Erschienen ist kürzlich eine Neuübersetzung der aristotelischen Rhetorik und zusammen mit seinem Mitarbeiter Tim Wagner arbeitet Rapp an einer Neuübersetzung mit Kommentar der aristotelischen Topik. Weiter steht als Großprojekt die Neuübersetzung und Kommentierung der Aristotelischen Metaphysik zusammen mit einer Monographie über das Verhältnis von Aristotelischer und moderner Metaphysik an.

 Ein weiterer, mit Oswald Schwemmer besetzter Lehrstuhl hat Philosophische Anthropologie und Kulturphilosophie zum Inhalt. Schwemmer arbeitet seit seiner Tätigkeit an der Humboldt-Universität systematisch an einer Philosophischen Anthropologie, die in ihren Grundzügen in dem Werk Die kulturelle Existenz des Menschen (1997) vorliegt. Ein aktueller Forschungsschwerpunkt bildet dazu die Philosophie des Geistes, in der sowohl die modernen Erkenntnisse der Neurobiologie als auch die Ergebnisse der Kulturwissenschaften aufgenommen werden sollen. Im Bereich der Kulturphilosophie ist ein Arbeitsschwerpunkt der historischen und systematischen Darstellung einer Philosophie gewidmet, die als Theorie der Kultur und der Kulturwissenschaften konzipiert ist. Geplant sind eine Einführung in die Kulturphilosophie sowie die Herausgabe einer Textsammlung mit klassischen Positionen zur Kulturphilosophie.

 Ein besonderes, mit Mitteln der DFG, der Volkswagenstiftung und der Thyssen-Stiftung gefördertes Forschungsfeld sind Themen der interkulturellen Kommunikation, die von prinzipiellen Überlegungen zum begrifflichen Rahmen der Inter- und Transkulturalität bis zu konkreten Kulturvergleichen reichen. Verbunden mit dem Lehrstuhl ist seit 1994 die internationale Edition der nachgelassenen Schriften Ernst Cassirers. Im Zusammenhang mit dieser Ausgabe laufen am Institut verschiedene Forschungsprojekte zur Philosophie Cassirers und Simmels.

 Außerdem ist dem Lehrstuhl ein Cassirer-Archiv angesiedelt, das nicht nur die Editionsarbeit stützt, sondern auch in der Kooperation mit der in- und ausländischen Cassirer-Forschung genutzt wird. Der Mitarbeiter des Lehrstuhls, John Michael Krois, bietet, wie der Lehrstuhlinhaber selbst, auf der Basis der von ihnen herausgegebenen, bislang unbekannten Texten Cassirers Lehrveranstaltungen an, die bei den Studierenden großen Anklang finden.

 Der Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Philosophie/Rechts- und Sozialphilosophie, Volker Gerhardt, arbeitet an einer systematischen Neubegründung der Philosophie der Politik, die auf seiner Grundlegung der Ethik (Selbstbestimmung, 1999) und seiner Skizze einer auf die Selbsterfahrung der Individualität gegründeten Metaphysik (Individualität, 2000) basiert. Parallel dazu läuft der Ausbau der metaphysischen Skizze zu dem angekündigten System des menschlichen Weltverhältnisses.

 Ein weiterer Schwerpunkt des Lehrstuhls liegt in der Erforschung der Philosophie-geschichte der DDR. In diesen Zusammenhang gehört ein von der Thyssen-Stiftung gefördertes Arbeitsvorhaben von Guntolf Herzberg. Einen dritten Arbeitsschwerpunkt bilden Fragen der angewandten Ethik. Diese stehen im Zusammenhang mit der Kommissionstätigkeit Gerhardts für die DFG und der Mitgliedschaft im Nationalen Ethikrat. Geplant ist die Herausgabe eines Sammelbandes mit Beiträgen zur Philosophie des Todes sowie die Veröffentlichung der Werke des deutsch-französischen Philosophen Eric Weil (1904-1977). Gerhardt leitet auch die Arbeitsstelle der Kant-Kommission der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die für die Akademie-Ausgabe der Werke Kants zuständig ist.

 Der Lehrstuhl für Theoretische Philosophie, den bis zu seiner Emeritierung Herbert Schnädelbach innehatte, ist ab dem WS 03/04 mit dem Basler Mittelalter- und Frühe-Neuzeit-Forscher Dominik Perler besetzt Ehemaliger Assistent Schnädelbachs und gegenwärtiger Privatdozent ist Geert Keil, der sich durch seine Kritik am Naturalismus einen Namen gemacht hat. Keils weitere Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Philosophie des Geistes, der Handlungstheorie, der Metaphysik, der Wissenschaftstheorie und der Sprachphilosophie.

 Die C 3-Professur für Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie, die bis zum Weggang nach Tübingen von Michael Heidelberger besetzt war, ist seit dem WS 03/04 mit Olaf Müller besetzt. Die C 3-Professur Praktische Philosophie/Ethik, die bis zu seinem Weggang an die University of California in Berkeley Jay Wallace innegehabt hatte, wurde bislang von Susan Neiman (Einstein-Forum Potsdam) vertreten. Die C 3-Professur für Logik, die bis zu seiner Emeritierung von Horst Wessel, der seit 1963 Mitarbeiter der Humboldt-Universität war, betreut wurde, soll evtl. in eine C 2-Juniorprofessur umgewandelt werden. Gegenwärtig ist Uwe Scheffler, Oberassistent und Privatdozent, im Bereich Logik tätig. Er beschäftigt sich mit prädikatbildenden Operatoren, die ein sprachphilosophisches Verständnis bestimmter grammatischer Phänomene erzeugen sowie mit der Differenz analytisch / nichtanalytisch.

 Das Studienziel

 Das allgemeine Studienziel sieht das Institut in der selbständigen und kompetenten Teilnahme am wissenschaftlichen Philosophieren. Dazu sollten die Studierenden am Ende des Studiums mit den Grundproblemen der Philosophie in ihren historischen und systematischen Zusammenhängen vertraut sein. Dazu ist die intensive Beschäftigung mit einer Epoche der Philosophiegeschichte und/ oder einem klassischen Autor, der das Ganze der Philosophie repräsentiert, notwendig. Erwartet wird, dass eine Philosophin bzw. ein Philosoph in der Lage ist, die philosophischen Aspekte von Problemen zu erkennen, deren begriffliche und argumentative Grundlagen zu analysieren, ihre historischen und sachlichen Zusammenhänge durch selbständiges wissenschaftliches Arbeiten aufzuklären und weiterführende Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Voraussetzung dazu ist die Fähigkeit, die wissenschaftlichen Methoden des Faches (vor allem im Umgang mit der Literatur) selbständig anzuwenden, die Ergebnisse der eigenen Arbeiten sowohl mündlich als auch schriftlich angemessen darzustellen und im jeweiligen Kontext mit Argumenten zu vertreten. Ausdrücklich wird  auf den interdisziplinären Charakter der meisten philosophischen Fragen hingewiesen. In der Fähigkeit, am interdisziplinären Gespräch teilzunehmen, liegt daher ebenfalls ein besonders gefördertes Studienziel.

 Angeboten werden vom Institut bislang drei Studiengänge: der Magisterstudiengang sowohl im Haupt- wie im Nebenfach und der Studiengang für das Lehramt. Vorbereitet wird auf WS 2004/05 die zusätzliche Einführung von B.A./M.A.-Studiengängen.

Der Magisterstudiengang (Haupt- und Nebenfach)

 Der Magisterstudiengang gliedert sich in ein Grundstudium von vier Semestern, das mit der Zwischenprüfung, und ein Hauptstudium von fünf Semester, das mit der Magisterprüfung abschließt. Die Regelstudienzeit beträgt somit neun Semester. Die Zwischenprüfung muss sowohl im Haupt- wie im Nebenfach absolviert werden. Die Magisterarbeit, die im Hauptfach geschrieben werden muss, soll eine eigenständige wissenschaftliche Leistung nachweisen. Die Lehrgebiete sind laut Studienordnung wie folgt näher bestimmt:

 Logik

 Theoretische Philosophie (z.B. Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie, Ontologie, Metaphysik, Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie)

 Praktische Philosophie (z.B. Ethik, Politische Philosophie, Rechts-, Sozial- und Kulturphilosophie, Technikphilosophie, Geschichtsphilosophie)

 Wahlfreie Gebiete (neben A.-C. z.B. Geschichte der Philosophie, Philosophische Anthropologie, Ästhetik, Religionsphilosophie)

 Im Unterschied zum Hauptfach müssen im Nebenfach insgesamt 34 SWS im Pflicht- und Wahlpflichtbereich (18 SWS im Grund, 16 SWS im Hauptstudium) sowie 6 SWS nach freier Wahl absolviert werden. Zudem sind im Hauptstudium nur zwei statt vier Leistungsnachweise (aus zwei verschiedenen Lehrgebieten) zu erbringen.

Es besteht folgender Studienablaufplan: 


Studienablaufplan Magister-Hauptfach

Studienphase

Inhalte

Lehrveranstaltungen

Scheine

SWS

Grundstudium

1.-2.
Semester

Grund-

kenntnisse und Methoden

 

allg. Studienfachberatung (durch einen speziellen Mitarbeiter)

34

Einführungsvorlesung (mit Tutorium)

Teilnahme (Testat)

Logik (1 Semester)

1 Leistungsnachweis (Klausur)

3-4
Semester

Anwendung auf
Einzelfragen

Proseminare

3 Leistungsnachweise
(je einen in Theoretische und Praktische Philosophie sowie wahlfreie Gebiete)

Vorlesungen

 

Zwischenprüfung: schriftliche Arbeit (ca. 15 S.), mündliche Prüfung über ein Thema (20min.)

Hauptstudium

5.-8
Semester

Schwerpunkt-bildung

0

Studienberatung (durch Lehrende)

Sprachnachweis

32

Hauptseminare

vier Leistungsnachweise
(je einen in den Lehrgebieten Theoretische und Praktische Philosophie sowie zwei frei wählbare Gebiete)

Vorlesungen

 

 

9.Semester

 

Kolloquium

 

66+14

 

Magisterprüfung: Magisterarbeit (ca. 80S.), mündliche Prüfung über drei Themen (60min.)

 


Der Lehramtsstudiengang

 Der Lehramtstudiengang entspricht in den meisten Hinsichten dem Magisterstudiengang im Hauptfach. Unterschiede liegen in der Anzahl der Semesterwochenstunden (je 30 SWS im Grund- und Hauptstudium), sowie in den besonderen Bestimmungen zur fachdidaktischen Ausbildung. Im Grundstudium ist – neben den Anforderungen und Leistungsnachweisen des Magisterstudiums ein Leistungsnachweis über das Seminar Fachdidaktik 1 (2SWS) Voraussetzung für die Anmeldung zur Zwischenprüfung (die ebenfalls dem Magisterstudiengang entspricht). Im Hauptstudium sind ein Unterrichtspraktikum von vier Wochen, sowie eine das Praktikum vorbereitende Lehrveranstaltung (2 SWS) sowie ein Hauptseminar (2 SWS) nach dem Praktikum obligatorisch. Zusätzlich wird der Besuch des Seminars Fachdidaktik II (2 SWS) empfohlen. Vorraussetzungen zur Zulassung zum ersten Staatsexamen sind die vier Leistungsnachweise des Magisterstudiums, wobei ein Leistungsnachweis im fachdidaktischen Hauptseminar einen der frei wählbaren Nachweise ersetzt. Nachgewiesen werden müssen ferner Kenntnisse von zwei Fremdsprachen (Griechisch oder Latein und Englisch oder Französisch). Da Philosophie für das Lehramt in Berlin nur als zweites Hauptfach studiert werden kann, kann hier auch keine schriftliche Examensarbeit verfasst werden, die Examensprüfung besteht fakultativ aus entweder zwei Klausuren und einer mündlichen Prüfung von 40 Minuten – oder einer Klausur, einem 20minütigen Vortrag mit ebenfalls 20 Minuten Verteidigung sowie einer 40minütigen mündlichen Prüfung. Die Regelstudienzeit beträgt inklusive Prüfungen 9 Semester.

 Das Lehramtsstudium Philosophie (als 2. Hauptfach) ist an der Humboldt-Universität seit dem WS 93/94 möglich. Bis zum SS 2001 gab es insgesamt 253 Einschreibungen. Davon hat allerdings die Hälfte das Studium abgebrochen.

 Die Situation ist allerdings auch in anderer Hinsicht unbefriedigend. So ist die Durchführung der fachdidaktischen Lehrveranstaltungen – diese finden gemeinsam mit den Lehramtsstudierenden der Technischen Universität statt – nur durch eine jährlich beim Berliner Senat neu zu beantragende Abordnung eines Studienrates möglich. Der Grundkurs Fachdidaktik sowie das Hauptseminar zur Fachdidaktik können nur alternierend im Jahresturnus angeboten werden – was für den Grundkurs eine wesentlich zu hohe Teilnehmerzahl zur Folge hat. Nach Abschluss des Praktikums müssen die Studierenden fast ein Jahr auf das Hauptseminar warten, was einen erheblichen Nachteil bedeutet. Aufgrund dieser Situation hat das Institut beschlossen, die Lehrerbildung bis zum WS 04/05 auszusetzen, um in Verhandlungen mit der Universitätsleitung die Situation für die Studierenden zu verbessern.

Der neue B.A.-Studiengang

 Im neuen B.A.-Studiengang entfallen von 180 Studienpunkten, die in sechs Semestern Regelstudienzeit zu erbringen sind, 100 auf das wissenschaftliche Kernfach Philosophie, 20 auf den Bereich der berufsbezogenen Zusatzqualifikationen und 60 auf das Studium anderer universitärer Fächer. Das Studium ist vollständig modularisiert. Es gliedert sich in drei Phasen: die Einführungs-, die Vertiefungs- und die Abschlussphase. Innerhalb der einzelnen Studienphasen können die geforderten – insgesamt zehn – Module in beliebiger zeitlicher Reihenfolge studiert werden. Der Übergang von einer Studienphase zur nächsten ist jedoch nur möglich, wenn alle Module einer Phase absolviert worden sind und damit der Abschluss der Studienphase nachgewiesen werden kann. Die einzelnen Module setzen sich jeweils aus Vorlesungen, Pro- bzw. Hauptseminaren sowie Tutorien und/oder Übungen zusammen.

 In der Einführungsphase (1.-3. Semester) sind fünf Module zu absolvieren. 

1. Modul – Einführungsphase (12 Studienpunkte)

„Einführung in die Philosophie“ (1 V + 1 TU ) Das Modul führt in die Probleme, die Geschichte und die Methoden der Philosophie ein und soll den Studierenden einen    Überblick über die Philosophie in der Vielfalt ihrer Teilbereiche vermitteln. Das Institut bietet  in jedem Semester eine Vorlesung zur Einführung in die Philosophie an. In dem begleitenden Tutorium werden die in der Vorlesung erworbenen Kenntnisse vertieft. Außerdem dient es dazu, die Studierenden mit den wichtigsten Arbeitstechniken und Hilfsmitteln bekannt zu machen. Das Tutorium bietet den Studierenden die Gelegenheit, sich z. B. durch Referate bzw. die Abfassung mehrerer Essays oder einer kurzen Hausarbeit im eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten zu üben.

 

2. Modul – Einführungsphase (12 Studienpunkte)

„Logik“ (1 V + 1 PS + 1 TU) Das Modul führt in die formale Logik ein. Die Vorlesung bietet einen systematischen Überblick der Aussagen- und Prädikatenlogik. Im Proseminar werden anhand eines klar umrissenen Themas wesentliche Kenntnisse und Methoden vermittelt. In regelmäßigen Übungen wenden die Studierenden die erworbenen Kenntnisse an. Ergänzt wird das Proseminar durch ein Tutorium.

 

3. Modul – Einführungsphase (12 Studienpunkte)

„Theoretische Philosophie“ (1 V + 1 PS + 1 TU) Das Modul führt in das Studium der Theoretischen Philosophie ein. Die Vorlesung bietet einen Überblick über einen Zeitraum der Philosophiegeschichte, einen einzelnen Denker oder über ein bestimmtes Sachgebiet. Im Proseminar werden anhand eines klar umrissenen Themas wesentliche Kenntnisse und Methoden vermittelt. Durch die Abfassung einer schriftlichen Hausarbeit im Umfang von ca. 10 Seiten und durch eigenständige Beiträge zu den Seminarsitzungen üben die Studierenden die erworbenen Fähigkeiten ein. Ergänzt wird das Proseminar durch das Tutorium „Einführung in die Theoretische Philosophie“, in dem anhand eines Teilbereichs der Theoretischen Philosophie (z. B. Erkenntnistheorie, Ontologie) die grundlegenden Probleme und Begriffe der Disziplin behandelt werden.

4. Modul – Einführungsphase (12 Studienpunkte)

„Praktische Philosophie“ (1 V + 1 PS + 1 TU) Das Modul führt in das Studium der Praktischen Philosophie ein. Die Vorlesung bietet einen Überblick über einen Zeitraum der Philosophiegeschichte, einen einzelnen Denker oder über ein bestimmtes Sachgebiet. Im Proseminar werden anhand eines klar umrissenen Themas wesentliche Kenntnisse und Methoden vermittelt. Durch die Abfassung einer schriftlichen Hausarbeit im Umfang von ca. 10 Seiten und durch eigenständige Beiträge zu den Seminarsitzungen üben die Studierenden die erworbenen Fähigkeiten ein. Ergänzt wird das Proseminar durch das Tutorium „Einführung in die Praktische Philosophie“, in dem anhand eines Teilbereichs der Praktischen Philosophie (z. B. Ethik, Politische Philosophie) die grundlegenden Probleme und Begriffe  der Disziplin behandelt werden

  

5. Modul – Einführungsphase(10 Studienpunkte)

„Wahlfrei“ Das Modul bietet den Studierenden die Gelegenheit, die in den obligatorischen Lehrveranstaltungen erworbenen Grundkenntnisse der Philosophie gemäß den persönlichen Interessen zu erweitern. Durch die Abfassung einer Hausarbeit im Umfang von ca. 10 Seiten in einem Proseminar freier Wahl wird die Fähigkeit des wissenschaftlichen Arbeitens geschult.

  

In der Vertiefungsphase des Studiums (4.-5. Semester) erfolgt eine Spezialisierung auf zwei von fünf thematischen Schwerpunkte. Die Vertiefungsphase besteht aus vier Modulen: 

7. Modul – Vertiefungsphase (12 Studienpunkte)

„Thematischer Schwerpunkt II“ Durch die Wahl eines weiteren der fünf Thematischen Schwerpunkte A bis E innerhalb dieses Moduls wird die Spezialisierung im Rahmen der Vertiefungsphase fortgeführt. Im Hauptseminar wird durch die intensive und extensive Beschäftigung mit einem Problem aus dem gewählten Teilgebiet der Philosophie das eigenständige wissenschaftliche Arbeiten geübt. Die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten werden durch eine längere Hausarbeit im Umfang von ca. 15 Seiten nachgewiesen. Darüber hinaus beinhaltet das Modul mindestens eine weitere Lehrveranstaltung nach freier Wahl zu demselben thematischen Schwerpunkt, durch welche die Kenntnisse des Teilgebiets vertieft werden.

 

8. Modul – Vertiefungsphase (10 Studienpunkte)

„Schlüsselqualifikationen“ In den Übungen dieses Moduls werden bestimmte fachspezifische Fertigkeiten, die in der späteren beruflichen Tätigkeit von Nutzen sein werden, erworben, beispielsweise das praxisbezogene Argumentieren, rhetorische Fertigkeiten oder die Abfassung verschiedener Arten von Texten. Die Absolvierung des Moduls wird durch eine Bescheinigung über die erfolgreiche Teilnahme nachgewiesen.

 

9. Modul – Vertiefungsphase (10 Studienpunkte)

„Berufsorientierung“ Im Unterschied zu den übrigen Modulen werden in diesem Modul keine fachwissenschaftliche Kenntnisse und Methode vermittelt. Vielmehr dient es der Vorbereitung auf die spätere berufliche Tätigkeit in unterschiedlichen Berufsfeldern. Die Studierenden können zwischen der Absolvierung eines Praktikums und der Teilnahme an zwei berufsbezogenen Übungen wählen. Ein Praktikum umfaßt mindestens 160 Zeitstunden. Es wird durch das Praktikumszeugnis und den Praktikumsbericht nachgewiesen. Die Übungen schlagen inhaltlich die Brücke von der Fachwissenschaft zum Arbeitsmarkt.

 

Die Abschlussphase des Studiums (6. Semester) besteht aus einem Abschlussmodul, das die Abfassung der Abschlussarbeit (20 Studienpunkte) und ihre Verteidigung (4 Studienpunkte) umfasst.

10. Modul – Abschlussphase (24 Studienpunkte)

Die Bakkalaureus-Arbeit behandelt ein Thema aus einem der Schwerpunkte A bis E. Sie sollte 20 bis maximal 30 Seiten umfassen und die Fähigkeit des/der Studierenden unter Beweis stellen, einen inhaltlich und formal korrekten sowie eigenständigen Beitrag zu einer philosophischen Fachdiskussion zu erbringen. In der Verteidigung soll die/der Studierende die Fähigkeit nachweisen, die eigenen Thesen auf Nachfragen hin mündlich zu erläutern und sie gegen Einwände zu verteidigen. Sie dauert 20 Minuten.

Der neue M.A.-Studiengang

Im M.A.-Studiengang sind in vier Semestern Regelstudienzeit insgesamt 120 Studienpunkte. Davon entfallen 80 Punkte auf das Fachstudium der Philosophie und 40 auf den Studienabschluss. Das Studium gliedert sich in zwei Phasen: die Studienphase (1.-3. Semester) und die Abschlussphase (4. Semester). Die thematischen Schwerpunkte entsprechen denen des B.A.-Studiengangs. Von den insgesamt vier Modulen sind drei innerhalb der Studienphase mit jeweils einem Leistungsnachweis in einem Hauptseminar zu absolvieren.

Der übersichtliche und sequenzierte Aufbau der B.A.- und M.A.-Studiengänge soll die Transparenz der Anforderungen sichern und den Studierenden auf einfache Weise die Kontrolle ihres Studienerfolgs ermöglichen. Die Prüfungen werden studienbegleitend durchgeführt. Alle während des Studiums erworbenen Noten fließen anteilmäßig gemäß ihrer Gewichtung nach Studienpunkten in die Gesamtnote ein.

 Über die rein fachlichen Ausbildungsziele hinaus sind insbesondere mit der Einführung der B.A./M.A.-Studiengänge an der Humboldt-Universität auch Ziele im Hinblick auf den Arbeitsmarkt verbunden. Durch die gegenüber dem Magister übersichtlichere Studienstruktur, die Straffung der Lehrinhalte, die Sequenzierung des Studiums und die studienbegleitenden Prüfungen soll die Abschlussquote, die in der Philosophie ja bekanntlich extrem niedrig ist, erhöht werden. Damit soll verhindert werden, dass Studierende, die mehrere Semester oder Jahre lang studiert und Kenntnisse erworben haben, die Universität ohne Abschluss als sogenannte Studienabbrecher verlassen. Durch die Einbeziehung der berufsbezogenen Zusatzqualifikationen bereits während des Studiums sollen aber auch die Chancen, sich auf dem Arbeitsmarkt mit einem Abschluss in Philosophie durchzusetzen, erhöht werden. Schließlich soll durch die geplante Einführung der B.A./M.A.-Studiengänge das bisher zu hohe Durchschnittsalter der Absolventen, über das von Seiten der Wirtschaft und der Politik oft geklagt wird, gesenkt werden.

 In der Vergangenheit war das Studium der Philosophie vor allem auf die wissenschaftliche Laufbahn als professioneller Philosoph ausgerichtet. Absolventen der Geisteswissenschaften bieten sich in der Gegenwart aber Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Berufsfeldern einschließlich der Wirtschaft. Den Berlinern erscheint deshalb eine zu starke Orientierung an einer rein philosophischen Zielsetzung schon am Beginn des Studiums nicht mehr sinnvoll. Vielmehr geht man davon aus, dass das B.A.-Studium der Philosophie auf kein bestimmtes Berufsfeld vorbereitet. Deshalb sollen in ihm spezifisch philosophische Methoden und Fähigkeiten erworben werden, die in einer Vielzahl von Berufsfeldern von Nutzen sind. Genannt werden hier vor allem die Fähigkeit, Probleme so zu analysieren, dass das Wesentliche vom Unwesentlichen geschieden wird, in der Argumentation das Für und Wider gegensätzlicher Positionen deutlich herauszuarbeiten und die Stärke der Argument zu beurteilen sowie die Fähigkeit, das erworbene Wissen mündlich und schriftlich klar zu präsentieren. Wer über diese Fertigkeiten verfügt, ist für verschiedene Arbeitsgebiete qualifiziert, z. B. für die Tätigkeit in den Medien und im Verlagswesen, in der Erwachsenenbildung, der Unternehmensberatung, der Wissenschaftsorganisation, in der Öffentlichkeitsarbeit oder im Marketing. Schließlich sollten während des Studiums auch soziale Kompetenzen erworben werden, die in der späteren Tätigkeit benötigt werden, wie etwa Teamgeist und die Fähigkeit, freiwillig Verantwortung zu übernehmen. Dazu bietet die Arbeit in der Fachschaftsinitiative Gelegenheit. Sie wird vom Institut für Philosophie ausdrücklich unterstützt

 Der B.A/.M.A.-Studiengang lässt sich somit im Verständnis der Berliner Philosophen insgesamt auch als eine Ausbildung von „Zusatzkompetenzen“ auffassen, die in der heutigen Gesellschaft in nahezu jeder beruflichen Tätigkeit mit einem bestimmten Maß an Eigenverantwortlichkeit gefordert sind. Eingeführt werden die neuen Studiengänge mit dem WS 2004/2005. Die bisherigen Magisterstudiengänge (im Haupt- und Nebenfach) sollen zunächst fortgeführt und parallel angeboten werden. Der Lehramtsstudiengang soll dagegen – im Rahmen eines zwischen den drei Berliner Universitäten und dem Schulsenator vereinbarten Modellprojekts der Lehrerbildung – in die geplanten B.A./M.A.-Studiengänge integriert werden.

 Die Studierenden

 Die Zahl der Studierenden hat sich seit 1994 fast verdoppelt und betrug im Jahr 2001/2 ca. 1500. Dabei ist das Verhältnis männlicher und weiblicher Studierender 2/3, der Anteil ausländischer Studierender liegt bei ca. 8%. Der Magisterstudiengang Philosophie wird zumeist mit Neuer Geschichte, Neuerer deutscher Literaturwissenschaft, Politikwissenschaften, Soziologie und Kunstwissenschaften kombiniert.

 Es wollen regelmäßig mehr Philosophie studieren als das Institut aufnehmen kann. Deshalb gibt es seit dem SW 1997/98 einen Numerus Clausus für die Aufnahme in das erste Fachsemester. In den letzten Jahren wurden pro Studienjahr 180 Studierende für den Magister Studiengang ím Hauptfach, 100 für das Nebenfach und 25 für das Lehramt zugelassen. Im Studienjahr 2002/2003 gab es eine nochmalige Beschränkung auf 135 für das Magister-Hauptfach und 60 für das Nebenfach.

 Ein großes Problem für das Institut besteht in der langen Studiendauer vieler Studierender. 30% überschreiten die Regelstudienzeit (und nehmen damit anderen den Platz weg). Ein anderes ist die zu geringe Quote an Abschlussprüfungen. Die Zahl der Prüfungen nimmt zwar ständig zu, sie ist aber dennoch – bezogen auf die Zahl der Studierenden – viel zu niedrig.

 Die Arbeitsräume des Instituts liegen im Hauptgebäude der Universität (Unter den Linden 6). Die meisten Räume liegen nahe beieinander, was die informelle Kommunikation erleichtert. Allerdings müssen sich die wissenschaftlichen Mitarbeiter jeweils einen Arbeitsraum mit mindestens drei Personen teilen. Schlecht sind die Hörsäle: die Bestuhlung ist veraltet, es herrscht eine schlechte Akustik und die Seminarräume sind in der Regel überfüllt. Die Ausstattung der Räume ist auch in technischer Hinsicht mangelhaft, und es herrscht insgesamt eine wenig ansprechende Atmosphäre.

 Auch in der Bibliothek fehlen Arbeitsplätze. Zufrieden stellend ist hingegen die Ausstattung mit Zeitschriften und neuerer Literatur.

 

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Düsseldorf, 24.5.2000, Der Herausgeber