Ranking

Grass als Intellektueller Nr. 1?

"Cicero": Habermas hinter Harald Schmidt

1. Günter Grass

2. Harald Schmidt

3. Marcel Reich-Ranicki

4. Martin Walser

5. Peter Handke

6. Jürgen Habermas

7. Wolf Biermann

8. Elfriede Jelinek

9. Alice Schwarzer

10. Botho Strauß. 

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass ist Deutschlands Intellektueller Nummer eins - zu diesem Ergebnis kommt die Zeitschrift «Cicero» bei einem Ranking. Auf den Rängen zwei und drei landeten Harald Schmidt und Marcel Reich-Ranicki, auf weiteren Plätzen folgten Martin Walser, Peter Handke und der Philosoph Jürgen Habermas.

Grass selbst relativierte seinen ersten Platz auf der Rangliste: «Die Leute, die heute den Ton angeben, werden aus anderen Bereichen geholt», sagte der Schriftsteller dem Magazin. Das Gespräch über Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann sei gefragt, «Leute wie der 'Kaiser' Beckenbauer oder der Mann mit den Gummibärchen, ich habe seinen Namen vergessen», sagte Grass. Dies seien in der Realität offenbar die Leitfiguren. In den Talkshows säßen keine Schriftsteller. 

Die «Cicero-Liste der 500» beruht nach Angaben der Zeitschrift auf der Präsenz der Denker, Künstler und Publizisten in elektronischen Datenbanken der 83 wichtigsten deutschsprachigen Tageszeitungen und Magazine. Autor Max Höfer wertete dafür unter anderem aus, wie oft Meinungsbildner in der Presse zitiert wurden oder wie stark sie im Internet präsent waren. 

Bei einer ähnlichen Untersuchung für den Bereich Philosophie, die "Information Philosophie" seit langem jährlich auswertet, rangiert Jürgen Habermas unangefochten auf Platz 1 (siehe "Links"). 

Habermas hat gerade erst in seiner Festrede bei der Verleihung des Bruno-Kreisky-Preises über den Typus des "Intellektuellen" reflektiert. Demnach habe der tradierte Intellektuelle die Aufgabe gehabt, spezielles Fachwissen pointiert einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, um auf Misstände oder Gefahren hinzuweisen. Diese Funktion übten inzwischen aber Politiker, Journalisten und sonstige Talkshow-Teilnehmer im Leitmedium Fernsehen aus, wo der tradierte Intellektuelle eben selten zu finden sei. 

[online: 04/04/2006 - Print: -]

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Düsseldorf, 24.5.2000, Der Herausgeber