| Weniger Geld für Dissertationen |
Ein Beschluss des Hauptausschusses der DFG hat eine Kette von Protesten ausgelöst: Die Forschungsgemeinschaft will Druckkostenzuschüsse praktisch nicht mehr an Dissertationen vergeben. Insgesamt will die DFG zwar mehr Fördermittel vergeben, aber vor allem an DFG-Projekte und Stipendien. Darüber hinaus sollen nur herausragende Quell- und Werkeditionen mitfinanziert werden. Daher "können Dissertationen nur im Ausnahmefall gefördert werden", teilt die DFG mit.
Betroffen sind davon vermutlich vor allem die Philosophen und andere Geisteswissenschaftler. In den letzten Jahren haben sich die Anträge auf Druckkostenzuschüsse verdreifacht. So wurden allein im Jahr 2000 238 Druckbeihilfeäntrage aus den Fächern Literaturwissenschaften und Philosophie eingereicht. Insgesamt wurden im Jahr 2000 mit diesem Verfahren auf der Grundlage von 1300 Gutachten über 900 Druckbeihilfeanträge entschieden und rund 4 Mill. Euro Förderbeiträge geleistet. Nun ist es der DFG zuviel. Nicht die Summe, die ist im Vergleich zu den Naturwissenschaften gering, sondern der Aufwand, der dafür betrieben werden muss: "Gutachter (und Geschäftsstelle", so schreibt die DFG, würden "in diesen Bereichen an den Rand der Funktionsfähigkeit gedrängt und die Kernaufgabe der Forschungsförderung selbst ernsthaft tangiert". Die Philosophen verlangen einfach zu wenig Geld, als dass es sich lohnen würde, sie zu fördern. Nun will die DFG mit einer Projektförderung (also etwa Sachbeihilfe im Normalverfahren oder Forschergruppenprojekt) gleich im voraus pro Jahr pauschal 750 Euro als Zuschuss für die Veröffentlichung bereitstellen, wobei es den Projektstellern überlassen bleibt, welche Form der Veröffentlichung sie wählen wollen. Ausnahmen davon werden nur für Quellen- und Werkeditionen gemacht. Andere Publikationen werden nicht mehr gefördert und das bisherige Druckbeihilfeverfahren wird eingestellt, der Verlagsausschuss als Beratungsorgan des Hauptausschusses für Druck- und Verlagsangelegenheiten wurde aufgelöst. Diese Regelung soll vorerst für drei Jahre gelten.
Der Verlagsausschuss, der zu diesem Entscheid nicht konsultiert worden ist, hat Protest eingelegt. Mit der vorgeschlagenen Regelung, so argumentieren sie, würden die Geisteswissenschaften gegenüber den Naturwissenschaften massiv benachteiligt: "Es darf nicht die Fachkultur der Naturwissenschaften zur allgemeinen Norm" erhoben werden.... Wie auch immer die Fülle der Anträge zu bewältigen sein mag, darf ein möglicherweise bestehendes organisatorisches Problem nicht dazu führen, die Druckbeihilfen überhaupt abzuschaffen... Wenn davon gesprochen wird, dass die Gutachter zu viel Arbeit mit der Begutachtung von Werken haben, für die Druckbeihilfen beantragt sind, dürfen wir darauf hinweisen, dass zumindest die in den uns bekannten Fächern tätigen Gutachter diese Behauptung als unzutreffend zurückweisen." Auch die "Allgemeine Gesellschaft für Philosophie" hat sich gegen die neue Regelung gewandt. Pirmin Stekeler Weithofer, der Geschäftsführer der Gesellschaft und gewählter DFG-Fachgutachter für Philosophie argumentiert in einem Protestschreiben an die DFG: "Gerade als DFG- Fachgutachter kann ich nicht sehen, wie für eine ernstgemeinte Prüfung von Projekten und ihrer Ergebnisse das vorgeschlagene neue Verfahren eine Erleichterung bringt, zumal man jetzt aufgrund der Versprechungen des Projektantrages auch noch abschätzen müsste, ob eine schon vorab mitbeantragte Publikation das Geld wert sein wird, das für sie jetzt schon bewilligt werden soll." Allgemein wird befürchtet, dass als Stoßrichtung hinter dem Vorgehen der DFG eine Umverteilung der Mittel zugunsten der Naturwissenschaften steht.
Die Verleger fürchten, dass sich Stiftungen, Akademien, aber auch Ministerien, die ebenfalls Druckbeihilfen vergeben, der DFG anschließen. Johannes Königshausen vom Verlag Königshausen und Neumann etwa fürchtet, dass sich die Verwertungsgesellschaft Wort, die im Fach Philosophie für Druckbeihilfen wichtiger ist als die DFG, ebenfalls kürzen könnte. Betroffen von der Streichung sind bei den traditionellen Philosophieverlagen etwa 4-10% des Programms. Gefördert wurden vor allem Habilitationen und Dissertationen mit dem Prädikat summa cum laude. Einzig der Suhrkamp-Verlag könnte unter Umständen von der neuen Regelung profitieren: da dessen Philosophie-Bücher in den stw eine Auflage von über 1000 Expl. erreichen, waren sie nach dem alten System gemäß DFG nicht zu fördern.
Verlierer der neuen Regelung dürfte der qualifizierte Nachwuchs ohne finanziellen Rückhalt sein: Während mittelmässige Nachwuchphilosophen aus betuchtem Elternhaus ihre Arbeiten weiterhin in traditionellen Verlagen in guter Qualität veröffentlichen können, werden sie gewungen, in solchen Verlagen zu veröffentlichen, die zwar günstige Angebote machen, die aber nichts für die Verbreitung der Bücher machen. Doch neuerdings gibt es positive Zeichen von der DFG: In Ausnahmefällen soll auch weiterhin gefördert werden.
DFG: Neuregelung der Publikationskosten
Bericht "Neue Zürcher Zeitung"
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