Die Dialogische Logik, die Ende der 50er Jahre von Paul Lorenzen angeregt und in der Folge von Kuno Lorenz ausgearbeitet wurde, erlebt zur Zeit einen neuen Aufschwung. Vertreter verschiedener Forschungsrichtungen haben neuerdings gesteigertes Interesse am dialogischen Ansatz und seinen Anwendungsmöglichkeiten auf unterschiedliche Probleme bekundet. Insbesondere sind auch die Querverbindungen zu in manchen Aspekten verwandten Ansätzen wie der Independence Friendly Logic von Jaakko Hintikka und Gabriel Sandu, der Display Logic von Nuel Belnap und den Practical Reasoning Systems von Dov Gabbay bemerkenswert. In diesem Zusammenhang haben Shahid Rahman und Helge Rückert vom 24. bis 26. Juni 1999 an der Universität des Saarlandes die Tagung "New Perspectives in Dialogical Logic" durchgeführt, finanziell unterstützt von der Fritz Thyssen Stiftung. Folgende Vorträge wurden diskutiert:
Prof. Jaakko Hintikka (Boston University): Logic of Inquiry and Intuitionistic Logic
Hintikka diskutierte anhand der Diskussion um das Auswahlaxiom die Unterschiede in den Auffassungen des Intuitionismus und des Konstruktivismus und machte deutlich, welche Rolle die von ihm und Gabriel Sandu entwickelte IF-Logic in diesem Zusammenhang spielt.
PD Dr. Shahid Rahman (Saarbrücken / Nancy) / Helge Rückert, M.A. (Saarbrücken): Dialogical Connexive Logic (Part I and II)
In einem gemeinsamen Vortrag diskutierten die beiden Organisatoren der Tagung zunächst die Ideen der Ideen der konnexen Logik, sowie die auftretenden Probleme bei ihrer Formulierung, und entwickelten anschließend mit Hilfe der Dialogischen Logik ein System, das die Ideen adäquat einfangen, dabei aber die normalerweise auftretenden Probleme weitgehend umgehen soll.
Prof Erik Krabbe (Groningen): The Problem of Retraction in Critical Discussion
Krabbe plädierte aus argumentationstheoretischer Sicht dafür, den relativ strikten Rahmen der Dialogischen Logik so zu erweitern, daß auch Argumente, Behauptungen und Zugeständnisse zurückgenommen werden können, und diskutierte die entstehenden Probleme und Möglichkeiten.
Prof. Ulrich Nortmann (Bonn / Saarbrücken): How to Extend the Dialogical Approach to Provability Logic
In seinem Vortrag führte Nortmann vor, wie das Regelwerk der von Rahman / Rückert entwickelten dialogischen Modallogik abzuändern ist, um das für die Beweistheorie wichtige modallogische System G zu erhalten. Dabei machte er deutlich, daß eine genaue Formulierung der sogenannten Nicht-Verzögerungsregel in Zukunft unumgänglich ist.
Prof. Jacques Dubucs (Paris-Sorbonne): Social Aspects of Knowledge as a Field for Dialogical Research
Dubucs zeigte einige Schwierigkeiten bei der Formulierung einer adäquaten epistemischen Logik auf und äußerte die Vermutung, daß die Mittel der Dialogischen Logik einen Ausweg aus dieser Schwierigkeit bereithalten. Anschließend machte er einige Andeutungen, wie zu diesem Zweck die dialogische Modallogik u.a. mit neuen Angriffen und Verteidigungen erweitert werden müßte.
Prof. Gabriel Sandu (Helsinki): Logical Constants as Operations on Games
Die interessante Idee, logische Partikeln im Rahmen der von Hintikka entwickelten Independence Friendly Logic als Operationen über Dialogspielen aufzufassen, hatte in der Vergangenheit zu einigen unerwünschten Nebeneffekten geführt. Sandu lieferte eine Diagnose dieser Probleme und anschließend eine Lösung zu ihrer Vermeidung.
Dr. Patrick Blackburn (Saarbrücken): Information and Ontology
Blackburn präsentierte die u.a. von ihm entwickelten sogenannten Hybrid Languages, bestimmten Erweiterungen der Modallogik, sowie Möglichkeiten für ihre Anwendung in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, und regte an, daß solche Logiken auch dialogisch untersucht werden sollten.
Prof. Kuno Lorenz (Saarbrücken): Concluding Remarks
Im die Tagung abschließenden Vortrag bot einer der Begründer der Dialogischen Logik einen historischen Rückblick auf die Ideen bei der Entstehung des dialogischen Ansatzes sowie die weiteren Entwicklungen. Dies verband er schließlich mit Anregungen für weitere Forschungen auf diesem Gebiet, wobei er die während der Tagung gemachten Vorschläge immer wieder aufgriff.
Zur Zeit ist die Veröffentlichung eines Tagungsbandes "New Perspectives in Dialogical Logic" (herausgegeben von Shahid Rahman und Helge Rückert) in Vorbereitung, der Mitte nächsten Jahres als doppelte Sondernummer der Reihe Synthese Library bei Kluwer erscheinen wird, und neben den schriftlichen Ausarbeitungen dieser Vorträge noch die folgenden Aufsätze beinhalten wird:
Prof. Gerhard Heinzmann (Nancy): Game Theoretical Approaches to Logic and the Induction Principle
PD Dr. Narahari Rao (Saarbrücken): Dialogue and Ontology
Prof. Jean Paul Van Bendegem (Brüssel): Paraconsistency and Dialogical Logic: Critical Examination and Further Explorations
Prof. Dov Gabbay / Prof. John Woods (Kings College, Oxford): Time and Action in Dialogue Logic
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