Gentechnik

Volker Gerhardt im Ethikrat

Volker Gerhardt ist zum Mitglied des vom deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder einberufenen "Nationalen Ethikrats" ernannt worden. Gerhardt plant ein Projekt "Der Mensch und sein Genom", das als Interdisziplinäres Forschungszentrum an der Humboldt-Univer-sität angesiedelt, jedoch auf eine enge Kooperation mit anderen Einrichtungen in Berlin sowie den Universitäten Potsdam und Frankfurt/Oder eingerichtet werden soll. Die Fellows des Projekts sollen zu den vom Projekt veranstalteten Kongressen und Tagungen nach Berlin kommen, in besonderen Fällen sollen auch längere Forschungsaufenthalte möglich sein. Wie Gerhardt gegenüber der Berliner Zeitung ausführte, sieht er dieses "Humanprojekt" als Antwort auf das "Humangenomprojekt". Sein Ziel ist es, die beiden Kulturen, die Natur- und Geisteswissenschaften, "wieder zusammenzuführen" und den Menschen in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses zu stellen: "Wenn heute die Frage nach dem Sinn des Lebens auf Grund des Fortschrittes der Biologie in einer neuen Dimension erscheint, wären wir als Philosophen gerne dabei". Zu den konkreten Aufgaben, die Gerhardt in seiner Skizze aufführt, gehört die Entwicklung eines integrativen Begriffs vom Menschen, eines Begriffs also, der den aktuellen Stand naturwissenschaftlicher Forschung mit einem angemessenen Verständnis der sozialen, kulturellen, ethischen und spirituellen Dimension menschlicher Existenz vermittelt und reduktionistische Einseitigkeiten vermeidet. Das Humanprojekt ist letztlich als philosophisches Projekt konzipiert, mit der Aufgabe, den philosophischen Grundimpuls in allen Wissenschaften, aber auch in der Kunst, zu wecken. Und nicht zuletzt soll eine Philosophie gefördert werden, von Ger- hardt "Philosophie des Lebens" genannt, die ihren Ausgangspunkt bei einem konsistent erschlossenen Begriff des Lebens nehmen und eine rationale Theorie des Lebens einschließen wird und damit die Tradition der Philosophischen Anthropologie unter neuen Bedingungen fortsetzen soll. Bestandteil des Human-Projekts ist ferner die Idee einer "Humanenzyklopädie". Das derzeit mögliche Wissen vom Menschen soll in dieser Enzyklopädie erfasst und allgemein zugänglich gemacht werden. Die Enzyklo- pädie, die in Buchform und/oder im Internet veröffentlicht werden soll, hat das Ziel, zur Verständigung über die neuen Möglichkeiten zur Veränderung der biologischen und physischen Verfassung des Menschen und deren Bewertung beizutragen. Die Humboldt-Universität hat das Human- Projekt bei der DFG als eines der zukünftigen Forschungszentren angemeldet. "Die Erfolgsaussichten sind nicht schlecht" schreibt die Berliner Zeitung.

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Düsseldorf, 24.5.2000, Dr. Michael Funken