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Die letzten drei Bände der Ludwig-Feuerbach-Gesamtausgabe sind in Gefahr: Prof. Werner Schuffenhauer, der die Ausgabe seit 50 Jahren betreut, muss für die weitere Arbeit 20.000 Euro Grundkapital auftreiben. Ohne das Geld ist eine weitere Arbeit an der Gesamtausgabe nicht finanzierbar, da die Förderung durch die Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ausgelaufen ist.
Die noch fehlenden Bände 15 und 16 sowie der Abschlußband 22 befassen sich insbesondere mit den Nürnberger Jahren und sind für die Regionalgeschichte von größter Bedeutung ebenso wie für das gesamte philosophische Editionswesen in Deutschland. "Es wäre tatsächlich eine Schande, wenn es nicht gemeinsam gelänge, die restlichen Bände zur Fertigstellung zubringen", schreibt Georg Batz, Vorsitzender der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft in einem Bittschreiben an verschiedene Einrichtungen und Einzelpersonen.
Die Feuerbach-Gesellschaft plant, arbeitslose Akademiker über die Berliner Beschäftigungsgesellschaft "Der Hain" die Arbeit fortsetzen zu lassen. Die Bundesagentur für Arbeit und das Land Berlin wollen dies auch fördern, schreibt Batz. Voraussetzung seien aber Eigenmittel in Höhe von 21.000 Euro - "die wir natürlich nicht haben."
Die noch abzuschließenden Arbeiten betreffen erstens den Band 15 (Nachlaß III: Erlangen 1835/36, mit den bedeutenden "Vorlesungen über die Geschichte der neueren Philosophie", die - entgegen den traditionellen Darstellungen - nicht erst mit Descartes, sondern bereits mit der italienischen Aufklärung anheben - und reichen bis zur klassischen deutschen Philosophie, mit G.W. Hegel als ihrem Höhe – punkt. Des weiteren enthält der Band Studien, Kritiken und Aphorismen aus den Jahren 1823 bis 1840, d. h. aus der Erlanger und der Bruckberger Zeit, in der sich Feuerbach zu einem schöpferischen philosophischen Kritiker entwickelte.
An zweiter Stelle steht der Band 16 (Nachlaß IV: 1840 - bis 1869 mit Beiträgen aus der Bruckberger und der Nürnberger Zeit, zum "Wesen des Christentums" und dem "Wesen der Religion", die hochinteressante Studie "Zinzendorf und die Herrnhuter", Ergänzungen zur "Theogonie", Fragmente zu "Spiritualismus und Materialismus" und vor allem die unvollendete Schrift "Zur Moralphilosophie" aus den Jahren 1868/69.
Drittens bietet der Abschlußband 22 einmal 139 Briefe aus den letzten Lebensjahren (1869 bis 1872) und 100 bisher kaum bekannte Briefe von und an Feuerbachs Gattin Bertha und die Tochter Leonore (aus den Jahren 1856 - 1920, die viel zur Biographie und zur Beurteilung der Persönlichkeit Feuerbachs beizutragen vermögen). Sie bieten teilweise interessante Beiträge zur Nürnberger Lokalgeschichte, da sie vorwiegend Nürnberger Absender oder Empfänger – Adressen tragen.
Mit dem Abschluß der Briefwechsel-Edition finden sich in der Ausgabe insgesamt über 1200 Briefe und Brief-Entwüfe mit über 120 Korrespondenten, darunter mit so bedeutenden Persönlichkeiten des geistig-kulturellen und politischen Lebens der Epoche wie Arnold Ruge, Otto Wigand, Georg Herwegh, Karl Marx, Gottfried Keller, Jakob Moleschott, Karl Vogt, Richard Wagner, Ferdinand Lassalle oder dem französischen Arbeiterführer Edouard Vaillant. Der Abschlußband enthält weiter Nachträge zu den 12 Schriften -bänden, darunter eine Reihe erst in jüngster Zeit bekannt gewordener Veröffentlichungen,und schließlich Dokumente und Abbildungen, Dubiosa und Corrigenda sowie Indizees der Gesamtausgabe. Zu den Arbeiten am Abschluß der Gesamtausgabe gehört schließlich die Erfassung aller wesentlichen, im Arbeitsprozeß der Gesamtausgabe ermittelten und benutzten archivalischen und bibliographischen Grundlagen der Editionsarbeit.
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[Stand der Information: 23/11/2005]
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