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Habermas bekommt Bruno-Kreisky-Preis Jürgen Habermas hat den mit 7.000 Euro dotierten Bruno-Kreisky-Preis der österreichischen Sozialdemokraten erhalten. Das Renner Institut - die politische Akademie der SPÖ - zeichnete den Philosophen am Donnerstag in der Wiener Universität für sein literarisches und publizistisches Lebenswerk aus.
In seiner Dankesrede forderte Habermas mehr politische Gestaltungskraft in der EU, die sich sonst zu einer «diffus erweiterten europäischen Freihandelszone» entwickle. Nur eine außenpolitisch handlungsfähige EU, die eine weltpolitische Rolle übernehme, könne etwa innerhalb der UNO die überfälligen Reformen vorantreiben. Europa müsse sich «zu einer Reform aufrappeln, die der Union nicht nur effektive Entscheidungsverfahren, sondern einen eigenen Außenminister, einen direkt gewählten Präsidenten und eine eigene Finanzbasis verschafft». Mit einem Referendum, das nur jene Mitgliedstaaten binden solle, die sich für eine Reform entschieden, könne man sich auch vom Modell des «Geleitzuges» verabschieden, in dem der Langsamste das Tempo angebe, schlug der 76-jährige Philosoph vor. In einem solchen offenen Modell eines «Europa von Kern und Peripherie» könnten sich jene Länder, die zunächst am Rand bleiben wollten, jederzeit dem Zentrum anschließen.
Weiterer Haupt-Preisträger in diesem Jahr war der österreichische Zeithistoriker Oliver Rathkolb für sein Buch «Die paradoxe Republik». Einen Anerkennungspreis erhielt der in Wien lebende iranische Exilschriftsteller Hamid Sadr für seinen Roman «Der Gedächtnissekretär». Unter den bisherigen Preisträgern waren die österreichische Sozialpsychologin Marie Jahoda, der Schweizer Soziologe und Politiker Jean Ziegler sowie der spanische Schriftsteller Jorge Semprun.
Im vergangenen Jahr hat Jürgen Habermas den mit 4,5 Millionen norwegischen Kronen (rund 575.000 Euro) dotierten Internationalen Holberg-Gedenkpreis 2005 erhalten. Die Jury hatte Habermas´ "bahnbrechende Theorien über Diskurs und kommunikative Handlung" gewürdigt. 1973 erhielt Habermas den Hegel-Preis. Es folgten der Sigmund-Freud- und der Adorno-Preis. 1985 wurde der Philosoph mit dem Geschwister-Scholl-Preis und der Wilhelm-Leuschner-Medaille ausgezeichnet, ein Jahr später erhielt er den angesehensten deutschen Wissenschaftspreis, den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 1995 den Karl-Jaspers-Preis. Gemeinsam mit Siegfried Unseld und Marcel Reich-Ranicki wurde Habermas 1999 mit dem Hessischen Kulturpreis ausgezeichnet, im selben Jahr erhielt er den Theodor-Heuss-Preis, 2001 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Im vergangenen Jahr erhielt Habermas den Kyoto-Preis, neben dem Nobelpreis die weltweit höchste mit 50 Millionen Yen (400.000 Euro) dotierte Auszeichnung für Verdienste um die Wissenschaft.
idw/dpa
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