| Antisemitismus-Vorwurf |

Das als antisemitisch kritisierte Buch "Nach
dem Terror" des amerikanischen Philosophen Ted Honderich
wird Anfang Dezember im Melzer-Verlag
neu erscheinen, nachdem der Suhrkamp-Verlag das Buch aus dem Programm genommen
hatte. «Bestellungen liegen bereits vor», sagte der in Neu-Isenburg bei Frankfurt lebende Verleger
Abra
ham Melzer der dpa.
Melzer ist selbst Jude und gibt auch die Reihe "Semit" heraus.
Honderichs Buch über den Terrorismus im Nahen Osten halte er nicht für
antisemitisch, sagt Melzer. Bereits in der Auseinandersetzung um den damaligen
TV-Moderator und Vizevorsitzenden des Zentralrats der Juden, Michel Friedman,
hatte Melzer sich öffentlich gegen einen "Philosemitismus" verwahrt,
der jede Kritik an jüdischen Menschen oder an Israel sofort als
"antisemitisch" brandmarke, was genauso rassistisch sei wie
Antisemitismus [offener Brief an Zeit-Herausgeber Naumann auf der Melzer-Verlag-Homepage].
Melzer bezeichnete es als «Skandal», dass Suhrkamp und der renommierte Philosoph Jürgen Habermas, der das Buch Suhrkamp empfohlen hatte, unter dem öffentlichen Druck auf Distanz gegangen seien. «Eine Kritik an Israel ist in Deutschland nicht erlaubt», sagte Melzer. Das Honderich-Buch wird das erste Projekt Melzers sein, der nach 25 Jahren den von seinem Vater gegründeten traditionsreichen Verlag neu beleben will.
Der einst in Darmstadt ansässige Melzer-Verlag gab früher Bücher von jüdischen Philosophen wie Martin Buber heraus. In den 70er Jahren spezialisierte sich Abraham Melzer auf Comics für Erwachsene wie zum Beispiel Übersetzungen des US-Cartoonisten Robert Crumb.
Der Frankfurter Suhrkamp Verlag hatte sich Anfang August nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen den in London lebenden Honderich von dem Buch distanziert und die deutschen Rechte zurückgegeben. Der kanadische Philosoph ("Wie frei sind wir? Das Determinismus-Problem") hatte in seinem Essay das moralische Recht der Palästinenser zum Widerstand gegen den Staat Israel verteidigt und Verständnis für die Selbstmordanschläge geäußert. Deswegen hatte es bereits in den USA eine heftige Debatte gegeben. Ironie der Geschichte: Honderich reiste jetzt wegen der Diskussion in Deutschland auf Einladung Georg Meggles zu einem Vortrag an die Leipziger Universität - eine Premiere, denn bislang hatte Honderich gerade aus Protest gegen den NS-Holocaust Vorträge in Deutschland gemieden.
Ted Honderich: Gibt es ein Recht auf Terrorismus?
Vortrag, Universität Leipzig 2003
Bericht zur Debatte aus "Information
Philosophie"
Chronologie der Debatte in der Frankfurter Rundschau
"Telepolis"-Bericht über Honderich-Vortrag bei Meggle
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