Replik

Replik auf: Wimmer Interkulturelle Philosophie

Mündliche Überlieferung nicht vergessen

"Es freut mich, in der Nr. 1 des Jahrgangs 2000 der Information Philosophie einen Bericht über 'Interkulturelle Philosophie' zu lesen. Der Verfasser, Franz M. Wimmer, ist zweifellos einer der Pioniere dieser neuen Richtung philosophischen Denkens. Mit Recht plädiert er für eine größere Offenheit der westlichen Philosophie(n) im Blick auf nicht-westliche philosophische Traditionen und ihre anderen Denk- und Argumentationsstile. Vor diesem Hintergrund mag es seltsam erscheinen, dass er sich bewusst auf den 'deutschen Sprachraum' beschränkt.

Dem habe ich, gewissermaßen in eigener Sache, hinzuzufügen, dass auf meinen Wunsch an der Erasmus Universität Rotterdam 1991 zum erstenmal ein Lehrstuhl für 'Grundlagen der interkulturellen Philosophie' eingerichtet worden ist, den ich dann bis zu meiner Emeritierung im Dezember 1995 inne gehabt habe. Es handelt sich um einen in den Niederlanden so genannten 'Besonderen Lehrstuhl', der von einer Stiftung finanziert wird. Immerhin bildet seine Einrichtung einen nicht unwichtigen Schritt auf dem Weg zu der noch immer mühsam verlaufenden akademischen Anerkennung der interkulturellen Philosophie. Die Arbeit dieses Lehrstuhls ist neben einer nicht unerheblichen Reihe anderer auch deutschsprachiger Veröffentlichungen dokumentiert in dem von mir herausgegebenen Band: Das Multiversum der Kulturen. Beiträge zu einer Vorlesung im Fach Interkulturelle Philosophie an der Erasmus Universität Rotterdam. Amsterdam/Atlanta, GA: Rodopi 1996.

Schließlich erlaube ich mir, den drei "unterschiedlichen Auffassungen interkulturellen Philosophierens", die Wimmer auf Seite 33 nennt (1. Mehr als bloße Komparatistik, 2. Betonung des Religiösen als Unterscheidungsmerkmal von 'Kulturen', 3. Erweiterung des 'Umfangs und Inhalts des Philosophiebegriffs') eine vierte hinzuzufügen. Die Berücksichtigung primär auf mündlichen Formen der Kommunikation und Überlieferung beruhender Philosophien, wie sie z.B. in traditionellen subsaharisch afrikanischen Philosophien vorkommen, halte ich für entscheidend. Sie können zur Klärung und inhaltlichen Bestimmung der von Wimmer angestrebten, aber noch als fehlend vermerkten ‘anderen' philosophischen 'Ausdrucksweise’ und 'Argumentationsformen' etwas beitragen."

Prof. Dr. Heinz Kimmerle, Zoetermeer

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Düsseldorf, 24.5.2000, Dr. Michael Funken