| Islam |
Eine irritiernde Ankündigung: Eine "Vertreterin der mitgliederstärksten, islamistischen Organisation aus Marokko" werde eine Woche zu Gast sein, vermeldet mit Stolz das staatlich finanzierte, geisteswissenschaftlich orientierte "Zentrum Moderner Orient" (ZOM) in Berlin. "Islamistisch"? Nach aktueller Lesart sind "Islamisten" Bombenwerfer oder deren Handlanger, also Terroristen.
Aber, wie so oft, ist es nicht so einfach: Nadine Yassine arbeitet in ihrer Heimat Marokko tatsächlich am politischen Umsturz, hat dafür auch schon Repressalien in Kauf nehmen müssen. Doch Marokko ist derzeit eine absolute Monarchie und Frau Yassine plädiert für den Übergang zur Republik. Nun mag sie darunter etwas anderes verstehen als Westeuropäer - auch der Iran nennt sich seit dem Sturz des Schah schließlich "Republik" - , doch immerhin tritt Frau Yassine für einen gewaltfreien Umsturz ein.
"Gerechtigkeit und Spiritualität" (al-Adl wa-l-ihsan) nennt sich die Organisation, der Nadia Yassine angehört. Die 1958 geborene Politik- und Kulturwissenschaftlerin will al-Adl wa-l-ihsan in Berlin vorstellen: als eine mystische Bruderschaft, deren Aktivitäten zu 80% spiritueller Natur sei und nur zu 20 % politisch-sozialen Charakter habe. Als Tochter des Gründers Abdessalam Yassine nimmt sie eine herausragende Stellung ein. Bei ihrem ersten Besuch in Deutschland wird sie die Entstehungsgeschichte und den Gesellschaftsentwurf von al-Adl wa-l-ihsan vorstellen und anschließend Fragen beantworten.
Am 21. Februar hält sie abends einen öffentlichen Vortrag über ihre Organisation 'al-Adl wal ihsan (GWZ-ZMO, Jägerstrasse 10/11 (EG), 10117 Berlin - um Anmeldung wird gebeten unter zmo@rz.hu-berlin.de). Moderation: Prof. Dr. Gudrun Krämer, FU Berlin. Die Veranstaltung findet in französisch statt. Frau Yassine wird bis zum 26. Februar zu Gast am ZOM sein.
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