| Mohammed-Karikatur / Islam |
Michael Funken:Neue Karikatur, neue DrohungenDer Kampf um Karikaturen geht weiter: Im Berliner "tagesspiegel" ist am Freitag (10.2.) eine Zeichnung erschienen, die iranische WM-Fussballer als Selbstmordattentäter zeigte (siehe unten). Am Sonntag brandete eine Email-Protestwelle herein. Inzwischen liegen Morddrohungen gegen den Zeichner Klaus Stuttmann vor, der auf Anraten der Polizei zur Zeit seine Wohnung meidet. Die iranische Botschaft hat vom "tagesspiegel" eine Entschuldigung verlangt. Die Chefredakteure Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt haben dies abgelehnt. |
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Die Empörung über die Karikatur ist den "tagesspiegel"-Redakteuren ein Rätsel: Geht es in der Zeichnung doch überhaupt nicht um Moslems oder Iraner; vielmehr wird ganz eindeutig der Vorschlag von Bundesinnenminister Schäuble, bei der Fußball-Weltmeisterschaft die Bundeswehr einzusetzen, ins Lächerliche gezogen (siehe oben). Die Reaktionen könne man sich "nur mit mangelnder Vertrautheit mit der innenpolitischen Debatte in Deutschland erklären", sagten die Berliner Journalisten.
Inzwischen hat Karikaturist Stuttmann allerdings nachgelegt und die Protestwelle ebenfalls zeichnerisch verarbeitet (siehe weitere tagesspiegel-Karikaturen). In einem Interview erklärte der Karikaturist, er sei inzwischen "sicherheitshalber" zu Hause ausgezogen: "Es gab drei Morddrohungen, aber die Mehrzahl der Mails war unflätig: Fast alle schrieben so etwas wie „Shame you“, „schäm’ dich, Nazi“, „Hitler“, „Motherfucker“ – der ganze Hass kam da heraus." |
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"Erst dachte ich, es sind Islamisten. Aber mehrheitlich sind es Mails von regierungskritischen Exiliranern. Die trennen ganz scharf zwischen Sport und Politik. Viele beschwerten sich, dass die iranische Nationalmannschaft nichts mit der Regierung zu tun hätte." Offenbar gälten Karikaturen derzeit "in manchen Kreisen als ein böses Medium". Zwar hätte er nie Zeichnungen wie die dänischen Mohammed-Karikaturen gemacht. Aber das "andere Humorverständnis" von Moslems habe er auch schon kennengelernt: " Vor zwei Jahren hatte ich für die IG Metall eine Zeichnung über einen SPD-Parteitag gemacht. Ich wollte damals kritisieren, dass dort niemand Schröder kritisierte. Deshalb habe ich die Delegierten wie Betende in einer Moschee gezeichnet. Die muslimischen IG-Metall-Mitglieder haben sich wahnsinnig beschwert."
In vielen moslemischen Ländern gingen die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen weiter. Nachdem weitere Zeitungen die dänischen Zeichnungen nachgedruckt haben - auch um über den Grund des Protestes zu informieren - wurden Botschaften und Geschäfte europäischer Länder u.a. in Syrien, Libanon und dem Iran angegriffen. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat die Meinungs- und Pressefreiheit als unantastbar verteidigt. "Es sind nicht die Politiker und Behörden, die entscheiden, was veröffentlicht werden sollte und was nicht", sagte Barroso in einem Interview mit der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten", deren Kulturredakteur die Karikaturen in Auftrag gegeben hatte.
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die spöttischen Mohammed-Karikaturen verurteilt: «Wer im Namen der Freiheit verletzt, was Menschen heilig ist, verletzt die Würde des Menschen und höhlt so letztlich die Freiheit aus», schrieb Meisner in der «Kölnischen Rundschau» (13.2.2006). In den modernen Gesellschaften sei das Bewusstsein für das, was heilig ist, vielfach verloren gegangen. «Eine Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Bekenntnisse, Gottesgläubige, Agnostiker und Atheisten zusammen leben, hat auf Dauer nur Bestand, wenn ihre Mitglieder von gegenseitiger Achtung und Respekt vor der Überzeugung und dem Glauben des Anderen durchdrungen sind.»
Die gewalttätigen Proteste der Moslems kritisierte er: «Hass und Gewalt,
Aufruhr und Zerstörung sind nicht gestattet, um die Kultur der Freiheit oder
die Würde und Heiligkeit Gottes zu verteidigen.» Meisner gedachte auch der
Ermordung eines katholischen Priesters in der türkischen Stadt Trabzon. Der
Priester war am Sonntag von Unbekannten ermordet worden. Ein Zusammenhang mit den Protesten gegen die
Mohammed-Karikaturen steht nicht fest.
Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi hat anläßlich des Karikaturenstreits vom Westen gefordert, seine Haltung gegenüber dem Islam zu ändern. «Es wird oft gesagt, der Islam verbreite Hass unter den Völkern, aber wer tut das jetzt?», sagte Gaddafi der «Neuen Ruhr Zeitung» (13.2.2006). Gaddafi behauptete, schon in den europäischen Schulen werde «der Islam angeklagt und dazu angehalten, ihn zu hassen»: «Sie lehren die Kinder, dass Mohammed nicht der Prophet Gottes ist, sondern ein Lügner.» Die Moslems in Europa lebten «am äußersten Rand auf einem sehr niedrigen Niveau». Daher gebe es Unruhen. «Wer weiß, vielleicht wird der Islam eines Tages über Europa herrschen». Er sage dies «als ein Philosoph und ein Analytiker der Weltpolitik».
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Autor/in
Michael Funken, Herausgeber "Information Philosophie im
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| Mit Urteil vom 12.
Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Einbindung eines
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