Mohammed-Karikaturen / Islam 

Empörung - auch ein Menschenrecht

"Die Huntingtons auf beiden Seiten" seien die Sieger im derzeitigen "Krampf der Kulturen", bedauert Aiman A. Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Der studierte Philosoph empfindet die dänischen Zeichnungen auch als "beleidigend, ehrenrührig und mit Vorurteilen aus Jahrhunderten beladen". Besonders infam sei, den Protest gegen die Beleidigungen nun als Protest gegen die Pressefreiheit auszulegen.

"Die Karikaturen bedienen alt bekannte Stereotypen: Der Islam ist von Grund auf gewaltbereit (Mohammad als umfunktionierte Bombe), archaisch und barbarisch. Wir kennen diese bisweilen menschenverachtenden Art auch bei der Darstellung der Juden in den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts: Der Jude war als geizig, geldgierig und verschlagen gezeichnet worden. Heute: Gleiches Spiel, andere Religion. Darüberhinaus zielen die Karikaturen auf die Diskriminierung und Diffamierung einer zu einer ganz bestimmten Religion gehörigen Gruppe ab."

"Die Empörung, die nun die islamische Welt wegen dieser Ereignisse erfasst, wird nun geschickt als Zeichen eines Kampfes gegen die Pressefreiheit umgedeutet. Wohlgemerkt: Empörung – auch ein Menschrechrecht. Die Skandierung und Drohungen gewaltbereiter muslimischer Hooligans gehören natürlich entschieden von allen abgelehnt und verurteilt. Sie werden uns aber überproportional via Bildschirm serviert und schinden den Eindruck, als stünde ein Haufen meuternder Truppen vor den Toren Europas und wollen die Meinungsfreiheit abschaffen. Dieses Bild ist absurd. Ganz im Gegenteil, diese Gesellschaften wünschten sich nichts Sehnlicheres als Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit, die in ihren eigenen Ländern kaum vorkommen."

"Presse- und Meinungsfreiheit und die Achtung vor der Religion; ein Blick in das Grundgesetz zeigt wie wunderbar beides harmonisch miteinander passen kann, sich nicht gegenseitig aufheben muss. Doch jetzt werden sie als vermeintliche Gegensätze von selbsternannten Barrikadenkämpfern aufgebauscht. "

[online: 16/02/2006]
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Externe Links

Originaltext: "Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann", islam.de

Erklärung des Zentralrats der Muslime in Deutschland

Zur Person

Aiman A. Mazyek, geboren 1969 in Aachen, hat Philosophie, Ökonomie und Politische Wissenschaften in Aachen studiert (MA) sowie Arabistik in Kairo. Der selbständige Publizist und Medienberater ist seit 1996 Chefredakteur von www.islam.de. Mazyek ist FDP-Vorsitzender von Alsdorf (Kreis-Aachen) und Mitglied der Christlich-islamischen Gesellschaft in Köln.

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Düsseldorf, 24.5.2000, Der Herausgeber