Mohammed-Karikaturen / Islam

Bilder von Mohammed?

Ursache des Karikaturen-Streits ist das muslimische Verbot, Mohammed bildlich darzustellen - und das gleich in doppelter Hinsicht: Denn ohne dieses Bilderverbot hätte es die Zeichnungen nie gegeben. Nur weil der dänische Kinderbuchautor Kåre Bluitgen Schwierigkeiten hatte, einen Zeichner für ein Mohammed-Bilderbuch zu finden, wollte die Zeitung "Jyllands-Posten" eine Probe aufs Exempel machen: Der Kulturchef gab die Mohammed-Karikaturen in Auftrag - angeblich um zu prüfen, wie weit die Selbstzensur in Dänemark schon geht. 

Tatsächlich schickten nur 12 von 40 angesprochenen Zeichnern auch Bilder an die Redaktion. Doch genau genommen haben einige davon mit Mohammed wenig zu tun, mit "Jyllands-Posten" und dem Kinderbuchautor aber sehr viel: Drei der inzwischen gebrandmarkten Karikaturen verspotten keineswegs die Moslems oder gar Mohammed, sondern die Redaktion und den Kinderbuchautor.

Der Karikaturist Lars Refn hat sich an das Bilderverbot der Moslems sogar gehalten und eben nicht den Propheten gezeichnet, sondern den Schüler „Mohammed Valbyskole" aus der "7A“. Der steht an der Schultafel, auf der in Persisch geschrieben steht: „Die Redaktion von "Jyllands-Posten" ist eine Bande reaktionärer Provokateure“. Für strenggläubige Moslems eigentlich kein Grund zum Protest, sondern für Beifall. (Siehe Bild links)

Himmelfahrt Mohammeds in einer persischen Miniatur von Sultan Muhammad (um 1540; Britisches Museum, London; zitiert nach wikipedia)

Ähnlich eine weitere Karikatur, bei der nicht Mohammed abgebildet wird, sondern der Kinderbuchautor Bluitgen (Foto links), dessen Mohammed-Bilderbuch den Stein ins Rollen gebracht hatte. Bluitgen hält - mit dümmlichem Grinsen und "PR-Stunt"-Turban - eine Krickelzeichnung in der Hand. Eine unverhohlene Kritik, dass die Karikaturen-Aktion ein PR-Gag für das Buch sei. Für Moslems wieder ein Grund zur Zustimmung (Karikatur rechts).

Eine dritte Karikatur schließlich zeigt mehrere "Mohammeds" bei der polizeilichen Gegenüberstellung. Einer davon ist übrigens ein unschuldig blickender Jesus Christus (mit Heiligenschein), der wahre Vebrecher aber wiederum Kåre Bluitgen. Grund zum Protest für Moslems? Eher nicht.

Andere Bilder freilich geben durchaus Anlaß zur Empörung: Mohammed mit Bomben-Turban, Mohammed bei der Abweisung von Selbstmord-Attentätern im Himmel ("Wir haben keine Jungfrauen mehr"), Mohammed als blutrünstiger Verbrecher. 

Das Kinderbuch von Kåre Bluitgen ist in diesen Tagen übrigens erschienen: Es zeigt Lehre und Leben von Mohammed in Texten und Bildern (siehe Beispiel links: Prophet Mohammed mit seiner jungen Ehefrau Aisha). Wer die Zeichnungen gemacht hat, bleibt unbekannt: Der Illustrator, der gegen das moslemische Bilderverbot verstieß, wollte nicht genannt werden.

[online: 16/02/2006]

 

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Externe Links

Die 12 Karikaturen (in: Brussels Journal)

Mohammed-Karikaturen vom 30.9.2005 Jyllands-Posten

Jörg Lau: Allah und der Humor, Die Zeit - 1.2.2006

Blog mit den Mohammed-Karikaturen und weiteren Bildern

Wikipedia: Das_Gesicht_Mohammeds

Kåre Bluitgen-Bildergeschichte mit dänischer Flagge als Hakenkreuz

Literatur
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Ein Stiefel fiel vom Himmel (2001)
Kinderbuch von Kare Bluitgen und Chiara Carrer
EUR 12,90
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Peter Heine
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Düsseldorf, 24.5.2000, Der Herausgeber