Kant
hinter Gittern
Am 22. April ist der Geburtstag von Immanuel Kant. Traditionell ehren die
Kaliningrader den berühmtesten Sohn der Stadt an diesem Tag, indem sie
Blumensträuße auf seinen Sarkophag werfen. Auch bei frisch getrauten
Hochzeitspaaren ist es Brauch, nach dem Standesamt zu Kants Grab am alten
Königsberger Dom zu pilgern, um Sträuße niederzulegen. Gleiches tun ganze
Schulklassen und Touristengruppen. Darum lagen bisher fast immer frische Blumen
auf dem Grabstein des Philosophen. Jetzt aber stehen die Kant-Verehrer vor
buchstäblich verschlossenen Türen: Die Pforte an der Dom-Nordwand ist mit einem
Vorhängeschloss verriegelt.
Grund für die Schließung: Viele Besucher brachten außer Blumen auch
Sektflaschen mit und ließen diese ebenfalls liegen. Es habe auch Vandalismus
gegeben, begründet Dombaumeister Igor Odinzow, der die Schließung veranlaßt
hat, seinen Schritt. Die russische Kant-Gesellschaft hat dagegen bereits Protest
eingelegt: Kant gehöre allen Menschen, sein Grab dürfe nicht abgesperrt
werden.
[online: 12/04/2006 - Print: -]
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