Neuerscheinungen

Kants Sex-Leben

Im Mai 1945, als die Rote Armee die Hauptstadt des ehemaligen Ostpreussens eroberte, flüchtete eine Gruppe Deutscher unter Leitung eines Dr. Borowski und kam nach einer längeren Irrfahrt nach Paraguay, wo sie sich ansiedelte und ihre Kolonie Nueva-Königsberg nannte. Diese Deutschen waren Bewunderer Kants, die ihr Leben nach dem Vorbild führten: sie kleideten sich wie Kant, aßen wie er und führten unternahmen jeden Nachmittag den gleichen Spaziergang - ob ihnen allerdings dieselben Gedanken wie Kant  durch den Kopf gingen, ist nicht überliefert. Als nun der 1896 geborene Philosoph Jean-Baptiste Botul in Argentinien von dieser Kolonie hörte, reiste er hin und hielt auf deutsch einen Vortrag „Das sexuelle Leben Immanuel Kants“. Dieser Botul hat in sokratischer Manier keine Bücher veröffentlicht, erhalten sind nur Mitschriften seiner Vorträge und Gespräche, die von einer Gesellschaft „Amis de Jean-Baptiste Botul“ gesammelt werden.

Als nun in Frankreich der paraguayanische Vortrag veröffentlicht wurde, war das Echo groß, die angesehene Kulturzeitschrift Lettre international druckte Teile davon ab und als die deutsche Ausgabe

 Botul, Jean-Baptiste: Das sexuelle Leben des Immanuel Kant. 93 S., kt., Eur 7.90, 2001, Reclam, Leipzig

 erschien, stiess der Text auch hier in den Medien auf Echo. Allerdings haben in Frankreich einige Rezensenten eine Kleinigkeit übersehen: Jean-Baptiste Botul ist eine Erfindung des französischen Journalisten Frédéric Pagès, Redakteur beim Satire-Magazins Le cannard enchaine. „Jede Wette“, meint Dieter Redlich, Herausgeber  der deutschen Ausgabe und Dozent am Dortmunder Westfalenkolleg, „dass auch in Deutschland viele zunächst darauf hereinfallen“. Allerdings steht Redlich dem Text kritisch gegenüber: Er ist für ihn ein Produkt der französischen Postmoderne: „Es wird alle Moral über Bord geworfen“.

Webmaster © 1997 - 2002 Michael Funken. Alle Rechte vorbehalten.  Impressum
philosophierenphilosophischInformation Philosophie im Internet: Portalseite
Mit Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Einbindung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat, sofern man sich davon nicht ausdrücklich distanziert hat. Hiermit betone ich ausdrücklich, dass ich keinerlei Einfluß auf Gestaltung, Inhalte und Links aller gelinkten Seiten habe noch jemals hatte, und distanziere mich ausdrücklich von sämtlichen Gestaltungsformen, Inhalten und Links aller gelinkten Seiten und mache mir diese nicht zu eigen.
Düsseldorf, 24.5.2000, Dr. Michael Funken