| Tagungsbericht |
"Körper" und "Leib" sind derzeit vieldiskutierte Themen im philosophischen und kulturwissenschaftlichen Diskurs. Da ist es nicht leicht, neue Zugänge zu finden und eigene Akzente zu setzen. Daß dies aber immer noch möglich ist, zeigte die Nachwuchstagung des Interdisziplinären Arbeitskreises für philosophische Reflexion: Leib und Liebe Zu den kritischen Realisierungen von Differenz, Indifferenz und Wiederholung in philosophischer Reflexion (Franz-Hitze-Haus, 18.-20.2.2000).
Die thematische Breite und die interdisziplinäre Vielfalt der Beiträge eröffnete neue Perspektiven und ungeahnte Zusammenstellungen: Der Bogen spannte sich von der "Weibergemeinschaft bei Platon und Marx" und dem "Phänomen der Übertragungsliebe" bei Freud bis zum Telefonsex in Romanen des amerikanischen Erzählers Nicholson Baker. Viele Vorträge nahmen literarische Texte zum Ausgangspunkt (u.a. von Goethe, Kafka und Handke), um das Thema in philosophischen und literaturwissenschaftlichen Lektüren einzukreisen. Im einzelnen ging es um Fragen der Geschlechterdifferenz, Liebe als Form der Verwundung, Trauerarbeit nach dem Tod des Geliebten, Pornographie und Provokation. Die unvollständige Auflistung zeigt, daß das Mißlingen der Liebe und die sich entziehende Präsenz des Körperlichen tendenziell im Vordergrund standen. Daran entzündete sich auch die Diskussion: Während aus literaturwissenschaftlicher Perspektive die Virtualität und Medialität von "Leib und Liebe" betont wurde, plädierten die eher philosophisch orientierten Beiträge für Konzepte wie Selbstwahrnehmung, Autonomie und Dialog. Nicht immer ließ sich ein Konsens herstellen.
Was sich daran zeigt, ist aber nicht nur die Differenz zwischen den Disziplinen, sondern auch die Notwendigkeit und Fruchtbarkeit des gemeinsamen Gesprächs.
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