Kritische Edition

Leibniz´ Allerlei

Texte zu Astronomie, Alchimie, Schiffsbau, Kriegführung u.a.

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften beginnt mit einer internetbasierten kritischen Edition von Leibniz’ naturwissenschaftlich-medizinisch-technischen Schriften. Getragen wird die Edition von einer eigens hierfür am 1. Januar 2001 neu gegründeten Arbeitsstelle. Die Edition wird als Reihe VIII von Leibniz’ Gesammelten Schriften und Briefe erscheinen.

Die Texte, von denen bislang kaum 5% veröffentlicht worden sind, sind von Leibniz zum größten Teil in lateinischer, aber auch in französischer und deutscher Sprache geschrieben. Es handelt sich um solche zur Astronomie, Botanik, Zoologie (insbesondere Insektenkunde und Säugetiere), Chemie (insb. Alchemie, Mineralogie), Geographie, Geologie, dem ganzen Gebiet der damaligen Physik, zur Technik (insb. Fuhrwerke, Hydraulik, Mühlen, Pumpen, Schiffsbau, Rechenmaschine, Spiegelfabrikation, Zeitmessung), zu Militaria (insb. Artillerie, Fortifikation, Kavallerie, Kriegsführung, Transportprobleme) sowie zur Medizin. Diese besondere inhaltliche Ausrichtung erfordert die Einbindung verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, Fertigkeiten und Kenntnisse. Die Edition dieser Reihe beruht denn auch auf einer dezentralisierten Zusammenarbeit zwischen der Berlin-Brandenbur-gischen Akademie der Wissenschaften (Hartmut Hecht, Simone Rieger) mit der Technischen Universität Berlin (Eberhard Knoblich, Peter Cassiers), der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover, der Russischen Akademie der Wissenschaften (Olga Federova, Vladimir Kirsanov, Alena Kuznetsva, Nina Nevskaja) und der Académie des Sciences (Struktur des Projekts siehe Abb. S. 48).

Seit dem 15. März 2001 werden in der Niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover die für die Reihe VIII benötigten Leibnizschen Handschriften mithilfe eines DIN A 3 Scanners mit Durchlichteinheit eingescannt. Dabei wird jedes Folio mir seiner Vorder- und Rückseite erfasst, daraus wird eine Durchlichtaufnahme zur Erfassung von Wasserzeichen vorgenommen. Parallel wird eine eigens entwickelte Datenbank geführt, in die beschreibende Daten zum Folio und Scanparameter eingetragen werden.

In Moskau, Petersburg und Berlin werden von Wissenschaftlern mit Doppelqualifikationen (naturwissenschaftliche, historische und sprachliche Fähigkeiten) die Transkriptionen durchgeführt. Dazu werden bestimmte Formalismen entwickelt, die Markierungen, z.B. für Fußnoten oder Erläuterungen, aber vor allem bestimmte Textauszeichnungen im Originalmanuskript in den Transkriptionen widerspiegeln sollen.

Die so formalisierten Transkriptionstexte und die mit Hilfe einer Transkriptionsmaske festgehaltenen Informationen zu den Folioseiten erlauben zu einem späteren Zeitpunkt das Generieren der Daten in dem Format der späteren Druckvorlage für die Akademie-Ausgabe.

Die Transkriptionen werden elektronisch verfasst, hierbei wird von Beginn an eine hard- und software-unabhängige Politik verfolgt: die Transkriptionen werden nach XML-Standards erstellt und als reine ASCII-Texte gespeichert. Für das Projekt wird zudem eine elektronische Arbeitsumgebung entwickelt, die nicht nur die erfassten Daten bereithält, sondern durch ein Angebot neuer Such-, Vergleichs- und Analysetechniken die Entwicklung vorhabensspezifischer Stra-tegien zur elektronischen Information und Dokumentation, Publikation und Präsentation ermöglicht. So kann man Daten jederzeit erneuern, verändern sowie in Anzahl und Vielzahl erweitern.

Kontinuierlich sollen Zwischenergebnisse veröffentlicht werden. Das soll es erleichtern, Studien zu Bänden zusammenzustellen und relative Datierungen vorzunehmen. Zudem kommt man dem Bedürfnis der Editoren entgegen, ihre Arbeitsergebnisse nicht erst nach Jahren der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Geplant ist auch ein für den internen Arbeitsablauf konzipiertes elektronisches Forum, das den beteiligten Wissenschaftlern den Austausch von Informationen, Fragen und Arbeitsergebnissen erleichtert.

Die elektronisch verfügbaren Daten können in unterschiedlichen Formen generiert und präsentiert werden. In Frage kommt eine gedruckte Ausgabe, aber auch eine solche durch eine multimediale CD-ROM sowie eine über das Internet verfügbare Version.

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Düsseldorf, 24.5.2000, Dr. Michael Funken