| Literatur |
"Kritik der reinen Vernunft" neu ediertÜber siebzig Jahre hatte die Ausgabe von Raymund Schmidt von Kants Kritik der reinen Vernunft in der "Philosophischen Bibliothek" (Verlag Meiner Verlag, Hamburg) sowohl Studierenden als auch Lehrenden beste Dienste geleistet. Besonders geschätzt wurde das übersichtliche Nebeneinander der Ausgaben A und B. Bis Jens Timmermann kam. Er stellte fest, daß diese Ausgabe, die sich an die zweite Auflage der Kritik der reinen Vernunft hielt, auch die dortigen Druckfehler mitübernehmen bzw. diese lediglich in den Anmerkungen korrigiert hatte (was auch in der Ausgabe von Weischedel der Fall ist). Es sind dies nicht nur sofort ersichtliche Fehler, wie etwa das "I." anstelle von "1." in der Urteilstafel der B-Ausgabe, sondern auch solche Fehler, die wir aus Kants Vorreden und Briefen kennen, sowie solche, die sich durch die Arbeit der Kant-Philologie als solche erwiesen haben.
Der Meiner-Verlag, immer an der Arbeit, den besten der möglichen Texte für den Seminar- und Forschungsbetrieb zur Verfügung zu stellen, nahm das Angebot von Timmermann an, den Text auf dem neuesten Stand zu veröffentlichen und hat nun den wichtigsten aller philosophischen Texte innerhalb der "Philosophischen Bibliothek" neu herausgebracht, dies auch noch zu einem sehr günstigen Preis:
Eindeutige Druckfehler (wie das genannte "I.") sind nun stillschweigend korrigiert, weitere im Original fehlerhafte Stellen verbessert, zusätzlich aber in den Anmerkungen als Verbesserung gekennzeichnet. Zudem ist der Text der Originalausgabe durchgängig modernisiert worden, wie der Herausgeber in der Einleitung schreibt, "jedoch wesentlich behutsamer als in der alten Ausgabe der PhB". Denn, so Timmermann, eine zu starke Modernisierung, wie sie für ihn bereits der Schmidtsche Text darstellt, lade zu Missverständnissen ein. Modernisiert wird deshalb nur dort, wo diese Gefahr ausgeschlossen ist. So wird etwa "Critik" zu "Kritik" und "Theil" zu "Teil" und auch Eigennamen werden durchweg in der heute gebräuchlichen Schreibweise wiedergegeben. Da, wo Kant "sein" setzt, wo wir "seien" oder "sind" schreiben würden und oftmals nicht klar ist, welches von den beiden gemeint ist, bleibt Timmermann bei der originalen Schreibweise. Beibehalten wurde der Kursivdruck bei den Stellen, wo die A- und B-Ausgabe voneinander abweichen, ein Verfahren, das sich in der Praxis bewährt hat. Durchgängig neu erstellt wurde der Anmerkungsapparat, und auch das Verfahren, Anmerkungen des Herausgebers durch Fußnotenziffern im Text zu kennzeichnen, hat man zugunsten des Bezugs mittels Zeilennummern und Stichworte aufgegeben. Übernommen, aber neu durchgesehen wurde das Sachregister am Schluss des Bandes. Besonders hervorzuheben ist das ausführliche Literaturverzeichnis, das Heiner Klemme auf den neuesten Stand gebracht hat.
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