| Bericht |
Seit 1989 finden, gefördert von der UNESCO, vor allem in osteuropäischen Ländern "Philosophie-Olympiaden" statt. Dabei schreiben Jugendliche der Sekundarstufe II zu bestimmten Themen Aufsätze, die prämiiert werden. Die 7. dieser Internationalen Philosophie-Olympiaden fand erstmals in der Bundesrepublik Deutschland statt, vom 3.-7. Mai in Münster. Möglich gemacht hat dies Gerd Gerhardt, der sich seit Jahren unermüdlich für diese Olympiade einsetzt und in den letzten fünf Jahren mit Schülern aus Nordrhein-Westfalen daran teilgenommen hat. Über 30 Schülerinnen und Schüler beteiligten sich dieses Jahr an der unter dem Motto "Europäische Philosophie und die Ordnung des Friedens" stattfindenden Olympiade und zwar aus den Ländern Bulgarien, Rumänien, Türkei, Polen, Ungarn, Ukraine, USA, Argentinien, Slowenien, Italien, Uruguay, Bangladesh und Deutschland. Jedes Land kann zwei, das Gastgeberland zehn Jugendliche schicken.
Um teilnehmen zu können, mussten sich die Jugendlichen in ihren Heimatländern qualifizieren. In Nordrhein-Westfalen schrieb die Bezirksregierung Münster einen Essay-Wettbewerb für Philosophie aus. Dabei standen drei Zitate, je eines von Kant, Pascal und Sartre zur Auswahl, um darüber einen Aufsatz zu schreiben. Gewertet wurde nach Überzeugungskraft und Originalität. 420 Texte gingen ein, gewählt wurde übrigens überwiegend das Sartre-Zitat "Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein". Schließlich konnten sich zehn Jugendliche aus Deutschland qualifizieren.
Die Themen der Olympiade setzten die Delegationsleiten der beteiligten Ländern am Vortrag fest. Dieses Jahr waren es Zitate von Bertrand Russell, Immanuel Kant, Aristoteles und Jean-Jacques Rousseau. Natalia Gaijit, die siebzehnjährige Teilnehmerin aus Buenos Aires, wählte das Russell-Zitat: "Der Prozess von der Amöbe bis zum Menschen scheint den Philosophen offensichtlich eine Entwicklung - aber wir wissen nicht, ob die Amöbe mit dieser Meinung einverstanden wäre". Die besten der Essays wurden mit Geldpreisen von 300 bis 1000 DM prämiert. Letzteren gewann Ogynan Kasabov aus Bulgarien, dem Mutterland der Philosophie-Olympiaden. Er hatte das Kant-Zitat "Die Zeit ist nicht etwas, das für sich selbst bestünde. Die Zeit ist lediglich eine subjektive Bedingung unserer menschlichen Anschauung" gewählt, den Essay schrieb er in englischer Sprache und natürlich direkt in den Computer. Der beste deutschsprachige Essay erhielt einen Sonderpreis. Gewonnen hatte ihn Onan Günöz aus der Türkei.
Die nächste Olympiade findet im Mai 2001 im amerikanischen
Philadelphia statt.
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