| Ludwig-Maximilians-Universität München |
Ehrendoktor für Onora O'NeillDie Ethik-Expertin Onora O'Neill erhält die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Die britische Professorin wird für ihre herausragenden wissenschaftlichen Verdienste und ihr Engagement in der deutschen Wissenschaftspolitik ausgezeichnet. Es ist die erste nicht-britische Ehrendoktorwürde für Onora O'Neill. An Ehrungen mangelt es ansonsten nicht, so ist O´Neill an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist O´Neill bereits korrespondierendes Mitglied.
Onora O'Neill wurde 1941 in Nordirland geboren. Sie ging in England und Deutschland zur Schule. Anschließend studierte sie in Oxford Philosophie, Psychologie und Physiologie. Ihren Doktortitel erwarb sie bei John Rawls in Harvard mit einer Arbeit über das Universalitätsprinzip, für die sie den renommierten "Emily and Charles Carrier Prize" erhielt. Später unterrichtete sie in den USA in Harvard, an der Wesleyan University in Connecticut sowie an der Columbia University. Als Professorin arbeitete sie an der University of Essex und später in Cambridge. Dort ist sie seit 1992 Principal des Newnham College. Seit 1999 hat sie als Baroness O'Neill of Bengarve einen Sitz im britischen Oberhaus. 2005 wurde Onora O'Neill zur Präsidentin der British Academy gewählt.
Onora O'Neill hat zahlreiche Publikationen zu politischer Philosophie, Ethik und Bioethik veröffentlicht. Sie ist eine der herausragenden Vertreterinnen der so genannten Kantianischen Tradition innerhalb der Analytischen Philosophie. Laudator Professor Wilhelm Vossenkuhl lobt O'Neill als "eine der wenigen englischsprachigen Forscherinnen, welche die Kant-Forschung vorangebracht haben."
Die Arbeit von Onora O'Neill blieb jedoch nie auf eine rein akademische Perspektive beschränkt. Die Wissenschaftlerin verbindet grundlagentheoretische Fragen der philosophischen Ethik und politischen Philosophie immer mit konkreten Problemen. In Großbritannien hat sie dies zu einer der wichtigsten Intellektuellen des öffentlichen Lebens gemacht, wovon ihre Bücher "Faces of Hunger" (1986), "Bounds of Justice" (2000) und "Autonomy and Trust in Bioethics" (2002) zeugen.
Onora O'Neill gehört zu den wenigen herausragenden Philosophen der angelsächsischen Welt, die nicht nur deutsch verstehen, sondern sich der deutschen Sprache wie der eigenen Muttersprache bedienen können. Ihre Kompetenz im bioethischen Bereich stellte sie als Gutachterin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und als Ratgeberin bei der Einrichtung eines bioethischen Schwerpunktprogramms zur Verfügung. Der LMU München ist Onora O'Neill durch ihre langjährige Zusammenarbeit mit Professor Wilhelm Vossenkuhl verbunden, der mit dem neu gegründeten Ethikzentrum unter anderem die Beziehung zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie O'Neill stärken möchte.
[online: 31/01/2006]
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