Medizin-Ethik

Zweifel an der Stammzell-Forschung

Prof. Hans-Werner Denker im Ruhestand

Die Forschung mit embryonalen Stammzellen des Menschen ist ethisch nicht vertretbar - das ist die Überzeugung von Dr. Dr. Hans-Werner Denker, Professor für Anatomie und Entwicklungsbiologie an der Universität Duisburg-Essen (s. Foto). Mit seiner Meinung stellt sich der Stammzellenforscher gegen die Ansichten der aktuellen Forschung, was ihm nicht zuletzt bundesweite Bekanntheit einbrachte. Ende Februar ist Hans-Werner Denker in den Ruhestand getreten. 

Zum Abschied hat sein Lehrstuhl Mitte Mai ein internationales Stammzell-Symposium in der Stiftung caesar in Bonn veranstaltet. Im Mittelpunkt standen aktuelle biologische Konzepte und daraus resultierende ethische Fragen der Forschung an menschlichen Embryonen und Stammzellen. Ein Thema unter anderem:  die Vorschläge des Bioethikrats des US-Präsidenten, der sich im vorigen Jahr für die Erschließung alternativer Quellen für menschliche embryonale Stammzellen ausgesprochen hat. Sie machen es dringend notwendig, von biologischer Seite aus zu hinterfragen, was unter dem Begriff "früher Embryo" zu verstehen sein soll. 

Professor Denker hatte den Lehrstuhl für Anatomie am Essener Universitätsklinikum, der - bisher einzigartig in Deutschland - die Bezeichnung "Anatomie und Entwicklungsbiologie" erhielt, im Jahr 1989 übernommen. Als im 
Jahr 1998 die ersten Diskussionen über die Nutzung embryonaler Stammzellen des Menschen für Forschungszwecke anliefen, war für die Arbeitsgruppe von Professor Denker allerdings sofort klar, dass sie sich einschalten musste. Die 
Wissenschaftler änderten kurzerhand ihre bisherige Forschungsrichtung, beendeten ihre erfolgreiche Arbeit über die Zellbiologie der Embryo-Implantation und wendeten sich der Untersuchung embryonaler Stammzellen von Affen zu. Sie wollten herausfinden, ob embryonale Stammzellen totipotent sind - das heißt, ob sich aus einer einzelnen Zelle ein vollständiger Embryo entwickeln kann.

Anstoß für den radikalen Wechsel des Forschungsschwerpunkts war eine Veröffentlichung des weltberühmten Stammzellforschers James A. Thomson aus dem Jahr 1996. Als Hans-Werner Denker den Artikel seines Forschungskollegen las, ließ ihn ein mitveröffentlichtes Foto erschrecken. Statt einer einfachen Zellmasse, die er erwartet hätte, sah der Entwicklungsbiologe ein Gebilde, das einem Embryo in früher Entwicklungsphase stark ähnelte. Bislang galt in der Forschung die Ansicht, dass sich aus isolierten embryonalen Stammzellen kein kompletter Embryo mehr entwickeln kann. Das Foto ließ Hans Werner-Denker an dieser Annahme zweifeln.

Ergebnis seiner Untersuchungen war ein klares Votum: Da menschliche embryonale Stammzellen eine sehr große Ähnlichkeit mit totipotenten Zellen haben, sollten sie in der Forschung nicht eingesetzt werden. Man dürfe nicht zulassen, dass der Mensch auf diese Weise zu einem reinen Forschungsmaterial herabgewürdigt werde. Seine Einschätzungen fanden Interesse auf höchster Ebene: Zweimal war der Essener Forscher als Sachverständiger zur Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin" eingeladen.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst wird Professor Denker sich in der Stammzell-Thematik und seinem Forschungsgebiet engagieren. Seit Jahren schon ist er stellvertretender Sprecher des Standorts Essen im Kompetenznetzwerk Stammzellforschung NRW. Außerdem bleibt er Herausgeber der internationalen biotechnologisch orientierten Zeitschrift "Cells Tissues Organs".

Pressestelle Uni Duisburg-Essen

[online: 24/05/2006 - Print: -]

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Die Gentechnologie-Debatte

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qpfeil.gif (860 bytes) Uni Duisburg-Essen Institut für Anatomie

qpfeil.gif (860 bytes) Denker, Ulrike; Denker, Hans-Werner: Embryonale Stammzellforschung: Aufklärung notwendig (Deutsches Ärzteblatt 102, Ausgabe 13 vom 01.04.2005)

Kontakt

Prof. Dr. Dr. Hans-Werner Denker
Universität Duisburg-Essen
 
Hufelandstraße 55
D-45122 Essen

Tel. +49201 723-4380/1
Fax. +49201 723-5916

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Düsseldorf, 24.5.2000, Der Herausgeber