| Terrorismus |
Der Münchner Jesuit Norbert Brieskorn sieht Parallelen zwischen dem US-Gefangenenlager Guantanamo und den Hexenprozessen der frühen Neuzeit. Damals wie heute habe die panische Angst vor einem unsichtbaren Feind auch vernünftige Leute dazu gebracht, die völlige Schutzlosigkeit der Angeklagten zu fordern, schreibt der Münchner Philosophieprofessor in der März-Ausgabe der Jesuitenzeitschrift «Stimmen der Zeit». Menschen sollten noch vor einem gerechten Urteil unschädlich gemacht werden und wurden so zum bloßen Mittel erniedrigt.
Laut Brieskorn stünde der leidenschaftliche Bekämpfer des Hexenwahns, Friedrich Spee (1591 bis 1635), heute in Guantanamo vor einer ähnlichen Lage: zeitlich unbegrenzte Inhaftierung, rohe Verhörmethoden, Verwertung der unter Folter erpressten Geständnisse, beeinträchtigte Verteidigung. Die Hexenprozesse zeigten, dass es unschuldige Opfer gebe, wenn Menschen dem Sicherheitsinteresse untergeordnet würden. Damit aber baue die Gesellschaft ihre Zukunft auf Lügen statt auf die Wahrheit.
In der Münchner Kirchenzeitung hat Pater Norbert Brieskorn sich anläßlich der Irak-Krise auch schon über die Idee eines "gerechten Krieges" geäußert: "Der Krieg muss erstens von einer zuständigen Autorität erlaubt sein, zweitens darf er nur aus einem »gerechten« Grund stattfinden und drittens muss die rechte Intention und Absicht vorhanden sein." Dabei sei unter "rechter Absicht" zu verstehen, "dass man nicht aus Rache oder niederen Motiven einen Kriegszug unternimmt. Die ersten drei Gründe heißen auch »ius ad bellum«. Ein vierter Grund verlangt, dass ein Krieg nach bestimmten Kriterien geführt werden muss, dem so genannten »ius in bello«. Das bedeutet, dass ein Krieg verhältnismäßig sein muss, dass Unschuldige geschont gehören und dass der Waffengebrauch kontrollierbar ist." Ein US-Präventivschlag gegen den Irak wäre demnach Unrecht: "Die klassische Tradition kennt den Präventivkrieg nicht, sondern versteht Krieg immer als Reaktion auf begangenes Unrecht. Es gibt allerdings Ausnahmen bei Thomas. Cicero erwähnt das Vorgehen gegen Bedrohung und rechtfertigt diesen in engen Grenzen. Im Irak-Konflikt müsste eine massive und konkrete Bedrohung des Weltfriedens vorliegen, um einen Präventionsschlag zu rechtfertigen. Meines Erachtens ist das sehr genau zu prüfen. Ob die Weigerung, biologische Waffen zu vernichten, so überhaupt welche vorhanden sind, allein schon ein Grund für so einen Schlag ist, ist höchst fraglich."
(kna / Münchner Kirchenzeitung)
Norbert Brieskorn (58) ist Rektor der Hochschule für Philosophie in München. Der Jesuitenpater lehrt Sozial- und Rechtsphilosophie.
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Norbert Brieskorn: Rechtsphilosophie. EUR 13,29
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