Terror-Anschlag auf World Trade Center

Virilio: Fernsehen war "Bestandteil des Attentats"

(dpa) Nach den Live-Bildern vom Anschlag auf das World Trade Center am 9.September 2001 befürchtet der französische Philosoph Paul Virilio für die Massenmedien eine Einschränkung der Meinungsfreiheit. "Wir werden mehr polizeistaatliche Lenkungen erleben. Zur Diskussion stehen dabei keineswegs die Fotos von einem Ereignis, sondern die Live-Bilder, sagte Virilio in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das Fernsehen sei ein "Bestandteil des Attentats". "Der Katastrophenfilm der Wirklichkeit existiert nur dank CNN". Daher gebe es eine indirekte Mitschuld der Medien. Natürliche müsse das Fernsehen zeigen, "was passiert. Aber man wird sehr unbequeme Fragen stellen müssen über das Verhältnis zwischen den Ereignissen und ihrer gleichzeitigen Übertragung in der ganzen Welt." Er selbst habe kein Fernsehgerät und "will nie mehr fernsehen", sagte der 1932 geborene Virilio. Auch ohne Fernsehen wisse man über die Fakten der Katastrophe bescheid. "Je intensiver gesendet wird, umso weniger weiß man im Allgemeinen." Ständig würden auch die selben Bilder gesendet, monierte der Medienkritiker. "Diese Exzesse werden zu einer großen Gefahr für die Information."

Weitere Informationen

Das Informationszentrum Sozialwissenschaften hat aus Anlass der Terroranschläge in seinem Informationsdienst "Fokus Plus" die Rubrik "Terror gegen Amerika" eingeführt. Dort gibt es Hintergründe und Links zu den Terroranschläge in New York & Washington sowie zu ihren politischen, sozialen und militärischen Folgen. Das Hans-Jonas-Zentrum publiziert Argumente zum Thema.

Fokus Plus

Hans-Jonas-Zentrum: Terrorismus

Diskussion

Das Graduiertenkolleg "Anthropologische Grundlagen und Entwicklungen im Christentum und Islam" der Universität Bamberg veranstaltete am 27. September 2001 - also 18 Tage nach dem Terrorangrioff auf das World Trade Center in NY - ein ganztägiges Symposium zum aktuellen Thema "Gerechter Krieg - Gerechter Friede." Aus christlich-theologischer, islamwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive gingen die Referenten friedensethischen Begründungsmustern nach. Vor dem Hintergrund der angespannten weltpolitischen Konfliktsituation warnten sie eindringlich davor, die Bereitschaft zur kriegerischen Gewalt pauschal einer Religion zuzuschreiben, sei es nun dem Islam oder dem Christentum.

Tagungsbericht

Einladung zur Diskussion im Information-Philosophie-Forum

Was sind religiöse Überzeugungen?

Ungewollte Aktualität gewinnen angesichts der Islamismus-Debatte zwei laufende Calls for paper. Nämlich zum einen die diesjährige Preisfrage der "Stiftung Forschungsinstitut für Philosophie Hannover": "Was sind religiöse Überzeugungen?" (Teilnehmen können Nachwuchswissenschaftler bis 35 Jahre, Einsendeschluss ist der 2.April 2002). Und zum anderen der 1. Workshop Ethik "Was haben wir schon zu sagen?" zur Rolle philosophischer Ethik-Argumentation im gesellschaftlichen Diskurs. Dafür werden Referenten gesucht.

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Düsseldorf, 24.5.2000, Dr. Michael Funken