| Symposion der IPC 1998 |
Denkanstöße zur Krisenbewältigung im öffentlichen und privaten Leben - gerade im Hinblick auf die Jahrtausendwende - hat die "Internationale Gesellschaft für therapeutische und praktisch angewandte Philosophie und interdisziplinäres Consulting e.V." (IPC) bei einem Symposion in Mainz gegeben. Angesichts der immer schneller voranschreitenden gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen stellten sich die an der Mainzer Universität lehrenden Philosophieprofessoren Dr. Erhard Meueler, Dr. Karl Anton Sprengard, Dr. Stephan Grätzel und Dr. Josef Rauscher den aktuellen Herausforderungen.
Die Philosophie müsse immer die konkreten Lebenssituationen der Menschen vor Augen haben, sagte Meueler. Er warnte vor einer "ausschließlichen Funktionalisierung des Menschen für die Belange des Marktes". Dessen Mechanismen umriß er an den Folgen der Wende für die Menschen in Ostdeutschland. Sprengard, wissenschaftlicher Beirat der IPC, beschrieb den Menschen an der Schwelle des neuen Jahrtausends "zwischen Krise und Vision". Es gelte trotz aller Begrenztheit des Menschseins darauf zu hoffen, daß sich die Erneuerungsprozesse durchsetzen werden. "Kunst des Lebens" und zugleich eine "Zukunftsaufgabe des Menschen" ist nach Ansicht des Philosophen, eine "freundliche Realität" dadurch zu schaffen, daß die Gegensätze letztlich miteinander versöhnt werden. Grätzel hob die Bedeutung der Kreativität zur Bewältigung der Lebenskrisen hervor. Mit dem Rückgang ritueller kultischer Handlungen sei der Mensch immer mehr sich selber überlassen. Indem er gezwungen sei, sein Leben selber zu deuten, sei er zum kreativen Handeln herausgefordert. Hier könne die Philosophie eine wichtige Hilfe sein und eine "Neubewertung kritischer Lebensphasen" bewirken. Die Ausführungen Rauschers mündeten in die heftig diskutierte Frage, ob der Mensch alles tun dürfe, was er könne. Trotz aller Chancen der modernen Gentechnik für den Menschen, bestehe immer auch die Gefahr des Mißbrauchs, daß der Mensch als Mensch verändert werde. Unüberblickbar seien nicht nur die Möglichkeiten der Genmanipulation. Der "neue Mensch" werde bereits als Computersimulation gedacht. Rauscher wörtlich: "Wenn man den menschlichen Geist als Computerdatei speichert, gibt man den Menschen auf."
Die IPC ist ein gemeinnütziger Verein, der von der Philosophie "den Schleier des Staubes heben" wolle, der sie vielen Menschen so unnahbar mache, erläuterte Nadine Weinberg das Ziel des Vereins. Konkret geschehe dies durch Veranstaltungen und Publikationen. Der IPC wolle "nicht die Antwort auf die Menschheitsfragen geben, sondern vielmehr Anregungen für mögliche Lebenskonzepte vermitteln, die im Alltag nutzbar und praktisch vollziehbar sind".
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