Philosophie-Unterricht in der Schweiz

Das sokratische Erbe an unseren Schulen

Das Fach Philosophie hat sich seit der neuen Maturitätsordnung von 1995 an den Schweizer Mittelschulen insgesamt leicht verbessert: das war das Fazit einer Tagung der Philosophielehrer an den Schweizer Gymnasien in Zürich, an der der bekannte Philosophiedidaktiker Ekkehard Martens aus Hamburg das Eröffnungsreferat hielt. Verbessert hat sich das Fach vor allem in den reformierten Kantonen, verschlechtert dagegen in den Kantonen. Insgesamt ist die Situation unübersichtlich: So wird an einigen Orten ein Fach "Ethik" angeboten, daneben kennt man an Mittel- und berufsbildenden Schulen separate Fächer wie Logik, Wirtschaftsethik, Sozialethik oder selbst Wissenschaftstheorie. Mischformen wie "Ethik und Ökologie" bzw. "Philosophie und Psychologie" gibt es als eigenständige Projektwochen. Eine Übersicht hat offenbar niemand.

In den Diskussionen zeigte sich denn auch ein massives Unbehagen über diese Situa- tion. Das ist mitunter der Grund, warum diese Tagung mit über 70 Teilnehmern so gut besucht war.

Dass Philosophie in Konkurrenz zu anderen Fächern steht, hat zur Folge, dass sie Werbung betreiben muss, um Schüler zu gewinnen. Ein Nachteil dieser Situation ist, dass viele nicht wissen, was denn eigentlich Philosophie ist, bzw. dass über Philosophie in der Öffentlichkeit vielfach falsche Vorstellungen anzutreffen sind. In Trogen versucht man dem so abzuhelfen, dass man eine Art "Schnupperwoche" eingeführt hat. Hinzu kommt eine Unsicherheit darüber, wo man denn die Messlatte für das Abiturniveau für das Fach anzusetzen hat.

In einzelnen Kantonen, so wurde geklagt, sind die Aussichten für Philosophie sehr schlecht, in Baselland ist damit zu rechnen, dass Philosophie als Fach an den Mittelschulen gar wegfallen könnte.

In Zürich, dem Ort, wo mit Abstand die meisten Philosophielehrer der Schweiz ausgebildet werden, wird die Lehrerausbildung künftig an einer Koordinationsstelle zentriert - das betrifft nicht nur die Philosophie, sondern die gesamte Mittelschullehrerausbildung. Dieses neue Zentrum wird von den Zürcher Universitäten gemeinsam getragen. Man geht also hier den gegenteiligen Weg wie Deutschland, wo die Pädagogischen Hochschulen meist in die Universitäten integriert werden. Hinzu kommt, dass ein Nachfolger für den bisherige Didaktiklehrer, Christoph Dejung, gesucht wird. Dabei isnicht ganz klar, was denn eigentlich Philosophiedidaktik ist und soll.

Kritisiert wurde, dass zwischen dem bisherigen Didaktiklehrer und der Universität kaum Kontakte bestanden, man nicht wusste, was der andere tat und die Didaktik die Veränderungen in der Philosophie der letzten Jahre verschlafen habe. Man will nun eine Form suchen, in der die Philosophieprofessoren mit dem Didaktikausbilder eng zusammen- arbeiten, um so zu einer idealen Ergänzung zu kommen. Die Verbindung von Schule und Universität, so führte der die Tagung organisierende Zürcher Philosophieprofessor Peter Schulthess aus, werde künftig zentral sein.

Christof Dejung: Philosophie-Unterricht in der Schweiz im Umbruch

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Düsseldorf, 24.5.2000, Dr. Michael Funken