| Rezension |
| Giorgio Agamben ist insbesondere bei linken Intellektuellen ist zu einer Art Kultfigur geworden. Mit seiner Figur des homo sacer hat er etwas getroffen, was viele bewegt. Agamben ist aber auch ein dunkler Autor. Er argumentiert nicht, sondern schreibt essayistisch; seine Thesen sind unklar und überdeckt von einer enormen Belesenheit. Seine Philosophie verkörpert das, was man früher einmal „Tiefe“ nannte – nicht von ungefähr ist Agamben stark von Heidegger beeinflusst. |
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Eva Geulen unternimmt es in der populären Reihe „zur Einführung“ mit Agamben vertraut zu machen. Dabei erläutert sie erst sein Verfahren, stellt – vielleicht etwas zu ausführlich – die kaum bekannten frühen Texte Agambens vor und geht dann auf die zentralen Begriffe und Thesen im Umkreis des homo sacer ein. Die Autorin will auf eine kritische Darstellung verzichten und sich auf eine Beschreibung des Ansatzes und der Texte beschränken.
Über Agamben wissen wir wenig, es gibt noch wenig Sekundärliteratur und diese beschränkt sich weitgehend auf einzelne Artikel. Deshalb ist man überrascht, wie viel die Autorin nicht nur über Agamben, sondern auch seine Quellen zu berichten weiß. Insbesondere kann man hier verfolgen, wie sich das Denken Agambens entwickelt hat. Im Mittelpunkt der Darstellung steht das Projekt des homo sacer, wobei die beiden ebenfalls zum Projekt gehörenden Bücher Was von Auschwitz bleibt und Ausnahmezustand eher am Rand stehen (insbesondere zu Was von Auschwitz bleibt hat die Autorin ein etwas gespaltenes Verhältnis). Ein letztes Kapitel zeigt, in welchem Verhältnis Agamben zu den für ihn wichtigen Autoren Heidegger, Benjamin, Schmitt, Derrida, Arendt und Foucault steht.
Agambens Text lebt von seinem Stil, um ihn kennenzulernen ist eine Originallektüre unentbehrlich. Wer aber mehr über ihn, sein Denkstil, seine Quellen und das, was er sagt, etwas erfahren will, kommt hier auf seine Rechnung.
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[Stand der Information: 10/10/2005]
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