| Rezension |
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Die CD-ROM erlaubt das Lesen, Suchen, Markieren und Kommentieren, sowie schließlich das Drucken und Exportieren ausgewählter Texte. Die Suchfunktionen arbeiten (sowohl mit dem PC als auch mit dem Mac ab MacOS 10.2) tadellos und schnell wie auch bei anderen CDs derselben Reihe. Der Text lässt sich zudem in verschiedenen Weisen (mit und ohne Werkzeugleiste, eine oder mehrere Seiten usw.) darstellen, je nach den Bedürfnissen, die man gerade hat. |
Quellen Philosophie: Griechisch-römische Anike, Digitale Bibliothek, € 16.90, Directmedia Publishing GmbH, Berlin |
Die Auswahl reicht von den bekannteren Vorsokratikern über Platon und Aristoteles bis zu Plotin. Mit Texten von Cicero, Seneca, Epiktet und Mark Aurel wird der Stoizismus dargestellt (es fehlt ein Hinweis auf die Alte Stoa mit Zenon, Kleanthes, Chrysipp). Lukrez steht für den Epikureismus (kein Hinweis auf die bei Diogenes Laertios erhaltenen Briefe und Lehrsätze und weitere Quellen). Von Mark Aurel, Lukrez und Plotin wird das ganze Werk wiedergegeben, von allen anderen eine durchaus vertretbare Auswahl. Jeder Autor hat zudem an Anfang ein Porträt, eine kurze Biographie und Angaben zur verwendeten Übersetzung.
Wenn man nun allerdings die Übersetzungen ansieht, erlebt man eine herbe Enttäuschung. Fast alle stammen aus dem 19. Jahrhundert ("That", "Punct"). Das wäre an sich noch nicht so schlimm, wenn beispielsweise bei Platon und bei Aristoteles wenigstens die für das Zitieren unerlässlichen Stephanus- bzw. Bekkerseiten angegeben wären. Platon wird in der von E. Loewenthal herausgegebenen Sammlung verschiedener deutscher Übersetzer aus dem 19. Jahrhundert gegeben (herausgegeben Berlin 1940; zu den Platonübersetzungen siehe den Artikel von Jörg Pannier in Information Philosophie 1/03). Wenn man bei Platon etwas sucht, ist zwar angegeben, in welchem Dialog das Zitat steht, doch ohne die Stephanus-Paginierung findet man trotzdem nichts. Die meisten Übersetzungen für Aristoteles stammen aus Ausgaben, die im 19. Jh. im Meiner-Verlag erschienen sind. A. Lasson, Jena 1907, hat der Metaphysik eine völlig eigene Anordnung der Bücher gegeben (sie ist angeführt bei den bibliographischen Angaben, nach der Biographie), er hat sie in "Hauptstücke" und "Angefügte Stücke" gegliedert, worin beispielsweise Met. Iota steht. Alpha minor ist eine "Vorbemerkung" geworden, Buch Delta steht am Schluss unter dem Titel "Zur Terminologie". Die Suchfunktion findet zwar durchaus Stellen für eingegebene deutsche Wörter, doch ist im Kolumnentitel nicht einmal zu finden, in welchem Buch der Metaphysik sie stehen. In der Physik steht im Kolumnentitel zwar das "Capitel", in dem der gesuchte Begriff sich befindet, nicht aber das Buch, dafür die Seitenzahl der Übersetzung von Christian Hermann Weisse, Leipzig 1829.
Die Vorsokratiker werden nach der Ausgabe von Diels 1922 statt nach der 5. Auflage, Berlin 1934 gegeben, man wird also gelegentlich (z.B. bei Parmenides) heute nicht mehr zitierbare Fragmentnummern haben. Die "Fragmente" enthalten nur den deutschen Text, überhaupt keine Angaben zu Quelle und Kontext, d.h. sie sind in dieser Form völlig unverständlich. Wenn man ein Wort bei den Vorsokratikern sucht, steht im Kolumnentitel der Band und die Seitenzahl der Ausgabe von Diels (der "Diels" hat zwei Bände mit 90 Autoren).
Wer eine billige CD immerhin mit dem ganzen Plotin (Übersetzung 1878/89, also lange vor der Ausgabe von Henry-Schwyer), dem ganzen Lukrez (die Übersetzung "Berlin 1957" ist nur ein Nachdruck der Ausgabe Berlin 1923, keine Verszählung), mit einigen Werken von Cicero, Aristoteles und Platon einfach so zum Lesen will, ist gut bedient, wer damit arbeiten und zitieren will, nicht.
Erwin Sonderegger, Zürich
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[Stand der Information: 10/01/2006]
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