| Rezension |
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Die Grundlagen für den Dialog der Kulturen seien bereits vor mehr als 800 Jahren gelegt worden, meint der Philosoph Alexander Fidora von der Frankfurter Goethe-Universität. Im Herder Verlag (Freiburg) ist erstmals eine Übersicht über die wichtigsten philosophischen Texte des Mittelalters erschienen. Die Arbeit an dem 20 Bände umfassenden Werk habe gezeigt, dass das Gespräch der Religionen untereinander «nicht erst ein Thema der Neuzeit» sei, resümierte Philosophie-Professor Matthias Lutz-Bachmann. Der Dialog der drei monotheistischen Religionen setzte bereits im 11. Jahrhundert ein, ermöglichte die Gründung der Universitäten im 12. Jahrhundert und den mit der Geschichte der Wissenschaften verbundenen Prozess der Rationalisierung und die Geschichte der Aufklärung. |
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Die Schriftenreihe stellt bedeutende Texte der Philosophie aus lateinisch-christlicher, arabisch-muslimischer und jüdischer Tradition vor. Die «Herder Bibliothek der Philosophie des Mittelalters» ist nach Angaben der Universität die erste, die sich diesem Thema widmet. Bisher wurde die Philosophie des Mittelalters in Deutschland nur unzureichend wahrgenommen und dies, obwohl sie maßgeblich zu den geistigen Grundlagen der kulturellen Identität Europas beigetragen hat.
Herausgegeben wird diese Reihe von drei Frankfurter Wissenschaftlern: Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Dr. Alexander Fidora und Dr. Andreas Niederberger lehren am Institut für Philosophie der Johann Wolfgang Goethe-Universität auf dem Gebiet der Geschichte der Philosophie des Mittelalters, der Philosophie der Neuzeit und Gegenwart sowie in den Bereichen Politische Philosophie, Ethik und Religionsphilosophie.
Die auf 20 Autoren angelegte zweisprachige Auswahl präsentiert die wichtigsten arabischen, jüdischen und lateinischen Autoren der Philosophie des Mittelalters mit ihren zentralen Texten zu den Fragen der menschlichen Erkenntnis, der Entfaltung der Wissenschaften und der philosophischen und theologischen Weisheitslehren: Was macht Wissen überhaupt zu Wissen? Wie wird Wissenschaft organisiert, und wie verhalten sich die verschiedenen Wissenschaften, vor allem Philosophie und Theologie zueinander? Diese Fragen stehen in enger Verbindung mit den kulturellen und religiösen Traditionen der Autoren. So dokumentieren die fünf bisher erschienenen arabischen, hebräischen und lateinischen Bände zugleich den Beitrag der Philosophie des Mittelalters zum Dialog zwischen Judentum, Christentum und Islam - eine für viele mittelalterliche Autoren gleichermaßen existentielle und intellektuelle Herausforderung.
Die Einzelbände, die die originalsprachlichen Texte und deren Übersetzungen enthalten, werden von kompetenten Forschern auf dem Gebiet der Philosophie des Mittelalters vorgelegt; die meisten von ihnen sind als junge Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in universitären Forschungsprojekten beschäftigt. Jeder einzelne Band führt allgemeinverständlich in Autor und Werk ein und enthält einen Überblick über die weiterführende wissenschaftliche Literatur. So bieten die 20 Bände von Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters eine geeignete Grundlage zum wissenschaftlichen Studium der vorgelegten Texte sowohl für die private Eigenlektüre als auch für das wissenschaftliche Studium der Philosophie und Theologie, der Geschichts- und Rechtswissenschaften, der Politik und aller weiterer Disziplinen, die sich mit dem Beitrag der Philosophen des Mittelalters für die Geschichte und Präsenz der geistigen Identität Europas beschäftigen.
Bislang sind erschienen: Gilbert Crispins Religionsgespräche, Ibn Sab'ins Sizilianische Fragen, Johannes Duns Scotus' Pariser Vorlesungen über Wissen und Kontingenz, Yusuf al-Basirs Buch der Unterscheidung und John Blunds Traktat über die Seele. Es folgen im nächsten Jahr Texte von al-Farabi, Albertus Magnus, Averroes, Thomas von Aquin und anderen.
Nach den Worten von Lutz-Bachmann wurden bei der Auswahl der Edition sowohl wichtige Autoren als auch bedeutende Schriften eher unbekannter Philosophen berücksichtigt. Darunter befinden sich Gilbert Crispin (ca. 1045-1117), Thomas von Aquin (ca. 1224-1274) oder Albertus Magnus (ca. 1200-1280). Die Reihe soll nach Angaben des Freiburger Verlegers Manuel Herder im Jahr 2008 abgeschlossen sein. Er sprach von einem überraschend zufriedenen Start der Edition. Es seien bereits rund 2800 Exemplare verkauft.
Links
Weitere Rezensionen und
Vorstellungen von Neuerscheinungen
Das wiederentdeckte Mittelalter
- Bericht über die Konferenz "Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel"
(1999)
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[Stand der Information: 12/12/2005]
Nähere Informationen: Dr. Alexander Fidora, Telefon 069/789-32774 oder Tel. 798-32776 (Sekretariat Prof. Lutz-Bachmann), E-Mail: a.fidora@em.uni-frankfurt.de |
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