Rezension

Eine philosophische Richtungsweisung

Franz Martin Wimmer ist einer der bedeutendsten Vordenker im Bereich der interkulturellen Philosophie. Seine jüngste Veröffentlichung ist nicht nur eine treffliche Einführung ins Thema, sondern auch ein Plädoyer für Offenheit, Humanität und Frieden beim Entwickeln von globalen Richtlinien in ontologischen, erkenntnistheoretischen und ethischen Fragen.

amazon-BestellungFranz Martin Wimmer:

Interkulturelle Philosophie

UTB, 2004 € 20,90

Ausgehend vom wissenschaftlichen Anspruch auf Allgemeingültigkeit findet Wimmer eine große Zahl an Belegen für einen so sehr kontext- und traditionsgebunden Philosophiebegriff, dass sich daraus ein Bild ergibt, „wonach … die menschliche Vernunft … weiß, männlich [und] hellenistisch-christlich [ist].“ (38) Für interkulturelle Philosophie erwächst daraus die Aufgabe einer „Auseinandersetzung der Philosophie mit ihrer eigenen kulturellen Bedingtheit, den daraus folgenden Vorurteilen, Stärken und Schwächen, die in wechselseitigen Begegnungen bewusst werden können.“ (49)

Wie so ein Vorgehen zu bewerkstelligen wäre, zeigt Wimmer an Hand von Kritik und Verbesserungsvorschlägen für Periodisierungs- und Kategorisierungssystematiken der Philosophie und ihrer Geschichte, denn es stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, dass die Denkgeschichte anderer Kulturen sich weder begrifflich noch zeitlich in ein abendländisches Korsett einfügen lässt.

Vorgefundene Unterschiede dürfen nicht als Defizienzen aufgefasst werden, es soll ein Gespräch von „Gleichen bei inhaltlichter Differenz“ (17) geführt werden. „Dies wäre … ein polylogisches Vorgehen. Es ist die Vorgangsweise und Perspektive von Philosophie, die sich ihrer Kulturgeprägtheit bewusst ist und doch weiß, dass sie ihren Universalitätsanspruch nicht aufgeben kann.“ (153)

Dieser Polylog, den Wimmer auch als „tentativen Zentrismus“ bezeichnet, ist mehr als ein bloß theoretisches Konzept. Neben konkret formulierten Grundsätzen zeigt Wimmer auch am Beispiel einer Ethikdebatte über die „allgemeinen Menschenrechte“ welche Positionen, Problematiken und mögliche Lösungen in einem solchen interkulturellen Polylog auftauchen können.

Viktoria Frysak

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[Stand der Information: 10/01/2006]

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Düsseldorf, 24.5.2000, Der Herausgeber