Sprache

Sprache ist für Philosophie "unhintergehbar": Es geht nicht ohne.
Irgendeine Sprache muß sein. Aber: Es muß nicht immer Altgriechisch sein. Auch nicht Deutsch oder Amerikanisch. Jede einzelne Sprache ist sehr wohl verzichtbar (auch wenn jede ihre besonderen Philosophiestile prägt).

"Sprache" meint also nicht Griechisch, Deutsch, Amerikanisch, sondern: Sprache allgemein.
Also auch "Bildersprache"? Und die "Sprache der Musik"?
Ja: "Sprache" umfaßt mehr als nur die Wortsprachen. "Sprache" sind alle menschlichen Kommunikationsformen.

Von der Philosophie des 20.Jahrhunderts heißt es, sie habe die "Sprachvergessenheit" früherer Epochen überwunden. Das stimmt nicht ganz: In der Regel wird "Sprache" mit Wortsprache (Verbalität) identifiziert; meistens werden sogar nur einige Soziolekte als "Sprache" anerkannt.

Solche Ethnozentrismen zu überwinden ist für philosophische Aufklärung wichtig. Denn: Die jeweilige benutzte Sprache prägt das Denken, die Weltanschauung, die Philosophie. Beschränkt die Philosophie sich nur auf einen Teil der Sprachen, so verliert sie jeden Allgemeinheitsanspruch. Sie ist dann provinziell, obendrein womöglich noch borniert.

Philosophie, die "Weltphilosophie" werden möchte, muß sich aller Sprachen bedienen. Das heißt nicht, jeder einzelne Philosoph müsse alle Sprachen sprechen, was gar nicht möglich wäre. Aber in dem sozialen Unternehmen "Philosophie" müssen alle Sprachen sozusagen als "Amtssprachen" zugelassen sein und kritischer Reflexion unterzogen werden. Praktisch geht das nur mittels Multimedia-Kommunikation.

Eine Kategorisierung der "Sprache(n)" könnte folgendermaßen aussehen:

è Code

Massageê

Symbolische verbale Sprache

Symbolische nonverbale Sprache

Nicht-Symbolische Elemente von Sprachen

visuell

Schriften (alphabetische und nicht-alphabetische in allen Soziolekten und Dialekten), Taubstummensprache,

Licht-Morse

Schriftzeichen, Bilder, Grafiken, Filme,

bewußt eingesetzte Gestik, Mimik, Haltung, Kleidung etc.

zufällige Gestaltelemente,

unbewußte Gestik, Mimik, Haltung, Kleidung etc.

auditiv

Rede (in allen Soziolekten und Dialekten),

Ton-Morse

Redeklang, Musik

Geräusche

taktil

Blindenschrift

Bildende Kunst

Oberflächen v. Gegenständen

olfaktorisch

bisher nicht

z.B. Parfüm, Blumen

alle Gerüche

gustatorisch

bisher nicht

Speisen, Getränke

Speisen, Getränke

 

© M.W.Funken 1997 Email. Update: 26.06.1997