Massage

Massieren heißt: durch stetiges Kneten einreiben, in Form bringen (in-form-ieren).

Wie beim Köprer, so beim Geist: Stimuli müssen wiederholt werden, damit sie bewußt bleiben; sonst vergißt man sie als "Selbstverständlichkeit". Alle Sinneseindrücke ("Sensationen") haben einen Gewöhnungseffekt: Mit der Zeit verblaßt der Reiz.

Was immer uns an Botschaften – Messages – erreicht, es erreicht uns durch Massage. Auch Worte sind Massage: Sie erreichen uns als Klang (Rede), Bildzeichen (Schrift) oder Tasteindruck (Blindenschrift).

Wie andere Massagen, so verlieren auch Worte ihren Reiz: Sie stumpfen ab, werden nicht mehr wahrgenommen. Jaspers hat dieses Abgleiten der ursprünglich bedeutsamen Chiffren zu leeren Schlagworten schön beschrieben.

Massage ist auch Geistesreizung: Das, was wir "eigentlich" meinen - die Message - muß immer wieder in neue Form gebracht werden, um er=innert zu werden. Die ganze Philosophiegeschichte ist eine solche Massage: Philosophie sagt inhaltlich seit Platons Schriftrollen vielleicht immer nur dasselbe. Aber: immer wieder anders, immer wieder neu.

Vielleicht aber gibt es sogar Fortschritte - durch zunehmende Freilegung von Vorurteilen.

 

© M.W.Funken 1997 Email. Update: 26.06.1997