Manual
Liebe Userin, lieber User,
schön, daß Ihr hierhergesurft seid! Der Webmaster verspricht ebenso vergnügliche wie verhagelte Surfstunden! Nicht aus Bosheit, sondern aus Aufrichtigkeit: Hier geht´s um Philosophie, und die schielt nicht auf Quoten. Als Aufklärung verärgert sie die Leute sogar: Sie bricht mit liebgewonnenen Gewohnheiten.
Ein neues fröhliches Zerbrechen alter Tafeln hat moderne Technologie ermöglicht: Mit den heutigen Kommunikationsformen wird die heutige Erscheinung der Philosophie gestaltet. Mit Hypertexten, animierten Bildern, Soundbites und Videofiles (längere Downloads inbegriffen).
Also: >Ende der Schrift< und >Ende des Buches<? Nein! Zur Dramatik besteht kein Anlaß. Philosophischer Geist hat sich noch nie in Buchstaben einfangen lassen. Über die fixe Idee einer >Heiligen Schrift< oder eines >Buches der Bücher< hat schon der alte Platon gelacht. Ein Ende ist nur der Übermacht der Worte gesetzt: Ein Text ist nicht Papier gewordener "Logos". Er ist ein Medium zur mentalen Massage.
Für philosophisches Sprechen sind alle Medien gleich gut. Und sie stehen jeweils für sich. Bücher müssen nicht mit viel Gerede erklärt werden, Bilder brauchen keine Lesehilfe durch Text. Erst recht überflüssig sind Text-Umverpackungen von Text ("Interpretationen"). Bei guten Texten kann man nichts wegnehmen, nichts hinzutun. Gleiches gilt für andere Medien. Nicht ein Remake ist angesagt, sondern eine Fortsetzung. Einen geäußerten Gedanken fort zu setzen, heißt: ihn an anderen Ort zu stellen, neue Perspektiven zu eröffnen, ihn sinnvoll zu verfälschen.
So etwas ist natürlich ein dreister Verstoss gegen das geistige Copyright. Aber genau das ist der rote Faden in der abendländischen Philosophiegeschichte: Fremde Gedanken aufgreifen, verdrehen, verkuppeln und das bunte Flickengewand als neuste Mode auf den Gedankenstrich schicken - das war, ist und bleibt Philosophie. In dieser Tradition steht Sofies M@ssage 1.0. Hier wird nichts "auf den Begriff" und die Philosophie zum Abschluß gebracht. Hier wird nicht gepredigt - nicht einmal, daß man nichts wissen könne. Hier wird philosophiert, und das heißt: "versucht". Es wird eine neue Version des Einen Gedankens versucht.
Sofies M@ssage 1.0 ist nicht neu. Aber anders. Nämlich multimedial und - in bescheidenen Ansätzen - interaktiv. Wem das zu neuartig ist: "Sofies M@ssage 1.0" gibt es auch als Buch.
- "Sofies M@ssage 1.0" eignet sich als Einführung für Anfänger. Wenn Ihr die beschriebenen Gedankengänge mitmacht, wird Euer Geist multimedial "massiert". Die Vielseitigkeit dient dazu, allgemeine Beweglichkeit zu trainieren. Für gezieltes Krafttraining sind Links zum Weitersurfen (oder Literaturhinweise) angegeben. Aber bedenkt: Einseitiges Training führt zum Tennisarm!
- "Sofies M@ssage 1.0" eignet sich als Denksportspiel. In dem Ideenparcours werdet Ihr ständig auf Links zu weiteren Fragen und Antwortversuchen treffen. Selten werdet Ihr befriedigt stehenbleiben wollen. So soll es sein: Philosophieren findet keinen Abschluß. Nur einen Abbruch durch Wegsurfen.
- "Sofies M@ssage 1.0" eignet sich als Rätselspaß. Ihr werdet viele Fetzen vom Rock der ehrwürdigen Philosophia erkennen: verdrehte Zitate, umgestülpte Argumente, in Bilder übersetzte Metaphern. Kennt Ihr die Originalquellen? Ein Gewinnspiel ist geplant!
- "Sofies M@ssage 1.0" ist Philotainment. Die linke Hirnhälfte - zuständig für die logisch-rationalen Bewußtseinszustände - findet ihre Massagemittel in der Masse akademischer Literatur. Die rechte Hirnhälfte - Heimat des kreativen Chaos´ - benötigt Philotainment. Ohne dies bleibt der rechte Geist unterentwickelt, und die Vernunft halbseitig gelähmt. Als Beitrag zur "jokologischen Philosophie" (Hans Lenk) bemüht "Sofies M@ssage 1.0" sich um die "wohlgestalte Mitte zwischen Possenreißerei und Steifheit", die schon Aristoteles rühmte (vgl.: Aristoteles, Nikomachische Ethik 1108a).
Soviel als "Bedieungsanleitung". Eigentlich ist dergleichen überflüssig. Ihr macht mit den Daten ja sowieso, watt ihr volt. Viel Spaß dabei!
Weimar 1996 / Düsseldorf 1997
Michael Funken
| © M.W.Funken 1997 | Email. | Update: 28.06.1997 |